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Vom Broadway nach Kassel: Staatstheater zeigt „Next to Normal“

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Von: Bettina Fraschke

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Philipp Rosendahl und die Darsteller Judith Caspari, Philipp Büttner, Aisata Blackman, Tom Schimon, Timothy Roller, Andreas Wolfram und Alexander Di Capri
Auf der Bühne: Regisseur Philipp Rosendahl (von links) und die Darsteller Judith Caspari, Philipp Büttner, Aisata Blackman, Tom Schimon, Timothy Roller, Andreas Wolfram und Alexander Di Capri. © Andreas Fischer

Ein Musical als emotionale Achterbahnfahrt: Das Kasseler Staatstheater zeigt „Next to Normal“. Premiere ist am 14. Oktober. Bekannte Darsteller stehen auf der Bühne.

Kassel – Unsere Gegenwart ist wie das Musical „Next to Normal“ – neben dem Normalen. „Wir können noch nicht beschreiben, wie diese Zeiten genau sind, aber wir fühlen es“, sagt Philipp Rosendahl, der das Broadway-Musical am Kasseler Staatstheater inszeniert. Nächsten Freitag ist Premiere im Opernhaus.

Musical „Next to Normal“ in Kassel: Das Stück

2009 feierte „Next to Normal“ von Tom Kitt und Brian Yorkey Premiere am Broadway und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Das Stück erzählt die Geschichte einer Frau mit bipolarer Störung und ihrer Familie, die versucht, ihren Alltag zu bewältigen. Sechs Figuren tragen die Geschichte, die Darsteller sind sowohl solistisch als auch als Ensemble im Einsatz – ungewöhnlich im Musicalbetrieb.

Musical „Next to Normal“ im Opernhaus: Die Darsteller

Hauptdarstellerin Aisata Blackman stand schon als Hauptfigur in „Bodyguard“ (Whitney Houston) und als Tina Turner in „Tina – das Musical“ auf der Bühne. Die Niederländerin mit karibischen Wurzeln beschreibt ihre Rolle der Diana als „emotionale Achterbahn“, durch das kleine Team könne man gut miteinander in Verbindung sein. Die Kasselerin Judith Caspari, die von hier aus in große Bühnenproduktionen von Stage Entertainment aufgebrochen ist, spielt Dianas Tochter Natalie. Für sie ist der bewegendste Moment, „wenn Natalie akzeptiert, dass sie selbst nicht normal sein muss, sondern fast normal sein darf. Das ist sehr ergreifend.“

Philipp Büttner ist Dianas Sohn Gabriel. Er sang in Bad Hersfeld die Titelpartie in „Goethe!“ und erzählt, dass er seit seinem Studium den Wunsch hatte, in „Next to Normal“ mitzuwirken. „Das war neu, einen ernsten Stoff mit der Leichtigkeit eines Musicals zu erzählen.“

Alexander Di Capri stand schon in vielen Musicals auf der Bühne und ist aus dem TV aus „Verbotene Liebe“ und „Herzensfeinde“ bekannt. Er freut sich auf den für ihn intensiven zweiten Akt, wo er als Ehemann Dan in einem Schlagabtausch mit Diana ist.

Timothy Roller und Tom Schimon teilen sich die Rolle des Henry, der sich für Natalie interessiert. Schimon findet den Moment, in dem Diana sich befreit, besonders bewegend. „Das macht zugleich sehr traurig und sehr glücklich.“ Roller erwartet, dass jede Aufführung etwas anders ausfällt, weil die Darsteller so viel von sich in die Rollen legen. Anders als in den großen, durchformatierten Musical-Shows. Andreas Wolfram, der den Arzt spielt, hofft, dass das Stück hilft, die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen aufzulösen.

Musical „Next to Normal“ in Kassel: Die Inszenierung

Regisseur Philipp Rosendahl will ins Zentrum seiner Inszenierung eine Familie stellen, die jede Familie sein könnte. Wie funktioniert unser Miteinander, welche Mechanismen entwickeln wir, wenn es nicht so klappt, wie geplant? Diese Grundfragen kenne jeder, Dianas psychische Erkrankung sei nur ein Verstärker für das Thema. Mit den Darstellern hat er die emotionalen Innenwelten der Figuren erkundet. Aus diesen heraus inszeniert er die Produktion – mit Show- und Tanz-Elementen. „Alle Darsteller haben sofort gesagt, dass sie das gern machen möchten“, berichtet er. Für Musicaldarsteller sei ungewohnt, dass nur ein kleiner Cast auf der Bühne steht. Die Musik gebe dem Innenleben, den Gefühlen eine zusätzliche Größe, Rosendahl zieht den Vergleich zur Stimmung bei einem Konzert von Billie Eilish.

Kasseler Staatstheater zeigt Musical „Next to Normal“: Der Regisseur

Philipp Rosendahl (Jahrgang 1990) hat seine künstlerischen Wurzeln in Kassel, beim Verein Studio Lev und am Staatstheater hat er viel inszeniert, unter anderem „Tschick“. „West Side Story“ und „Operette“. Seit der aktuellen Saison gehört er zum Leitungsteam des Staatstheaters Cottbus und ist beeindruckt von der dortigen Theatertradition.

Mehr Infos und Karten gibt es auf staatstheater-kassel.de.

Lesen Sie auch: Jan Friedrich hat als Gastregisseur am Kasseler Staatstheater den Roman „Das Kalkwerk“ von Thomas Bernhard in seiner eigenen Stückfassung auf die Bühne des TiF gebracht.

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