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Neue Ausstellung zu Wünschen im Märchen und im Leben

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Wunschbrunnen und Ballon-Baum: Blick in die neue Sonderausstellung in der Grimmwelt.
Wunschbrunnen und Ballon-Baum: Blick in die neue Sonderausstellung in der Grimmwelt. © Dieter Schachtschneider

Die neue Ausstellung in der Kasseler Grimmwelt beschäftigt sich mit der Magie der Wünsche - und das nicht nur bei den Brüdern Grimm. sondern auch unter psychologischen Aspekten und mit Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern.

Kassel – „In alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König....“ So beginnt das erste der Kinder- und Hausmärchen: „Der Froschkönig“.

Wünsche spielen eine entscheidende Rolle in der Märchensammlung der Brüder Grimm. Das ist der Ausgangspunkt der neuen Ausstellung der Grimmwelt in Kassel. Die Schau mit dem Titel „Unmöglich? Die Magie der Wünsche“ beschränkt sich aber nicht auf die Märchenstoffe.

„Wir wollen ein zeitgenössisches Bild der Grimm’schen Märchen liefern“, sagt der neue Grimmwelt-Leiter Jan Sauerwald. Deshalb stehen hier neben Märchen-Illustrationen aus 200 Jahren – von Ludwig Emil Grimm bis Maurice Sendak und Henrik Schrat – Positionen von zeitgenössischen Künstlern; bis zur Erfahrung des Fliegens als einem uralten Menschheitstraum. In eine andere Welt abzuheben, ermöglicht das Schaukeln mit einer Virtual-Reality-Brille – eine Idee des Design Studios „A.Muse“.

Auch Kinder werden zum Mitmachen eingeladen – in der Broschüre „Meine Wunschmaschine“ gibt es für Fünf- bis Zwölfjährige Rätsel, Platz für eigene Illustrationen und Bastelanleitungen. Vor dem Sonderausstellungsbereich ist künftig ein fester Platz zum Basteln und Malen eingerichtet: das Grimm-Atelier. Es wird ohne Eintrittskarte zugänglich sein.

Die Sonderausstellung ist eine noch vom früheren Grimmwelt-Leiter Peter Stohler vereinbarte und coronabedingt verschobene Übernahme aus dem Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon im schweizerischen Kanton Schwyz, die für Kassel angepasst und erweitert wurde. Eingerichtet wurde sie von den Kasseler Designern Hanna Krüger und Jakob Gebert, die eine helle, leichte Atmosphäre geschaffen haben. Texte sind auch auf Glasplatten und Stoffbannern zu lesen. Das Kasseler Team um Leiter Sauerwald, Claudia Roßkopf und Julia Ronge hat auch den Berliner Künstler Jim Avignon mit einer großen Wandmalerei beauftragt.

Inhaltlich reicht das Spektrum in drei Kapiteln – Wunsch, Magie und Utopie – von individuellen Zielen bis zu Visionen für das gesellschaftliche Zusammenleben. Das Kasseler Kollektiv Raamwerk wollte schon einmal auf dem Friedrichsplatz von der Bevölkerung wissen, was sie sich für die Stadt wünscht. Jetzt fragen die Künstler und Designer die Besucher nach ihren Erwartungen an die Grimmwelt. Der Schweizer Künstler Florian Graf hat einst ein 25 000-Franken-Budget für ein Kunstprojekt verschenkt. Einige der 92 Bewerbungen sind zu lesen – sie verraten viel über Wünsche, jenseits von Schönheit, Gesundheit, Macht, einem langen Leben.

Was treibt uns an? Woher nehmen wir die Motivation, Wünsche beharrlich zu verfolgen? Welche Hindernisse gilt es zu überwinden? Wann sind Wünsche schädlich? Zu solchen Fragen sind Videointerviews zu sehen – mit Psychologinnen, einem Ökonomen, einem Mentaltrainer und einer in der Krebszellforschung tätigen Biochemikerin.

In einer Leseecke unter dem „Balloon Tree“ des Koreaners MyeongBeom Kim kann man sich in Märchen vertiefen – und auch die unbekannteren kennenlernen. Dort sind Zauberkräfte nicht ungewöhnlich, Gegenstände und Gestalten mit Magie aufgeladen. Wann glauben wir heute an Talismane oder Mutmacher? Einige Kasseler, auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, haben Glücksbringer zur Verfügung gestellt. Schauspielerin Ulrike Folkerts hat eine Zaubernuss ausgeliehen, Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, eine Engelsfigur aus Porzellan, Museumsleiter Kai Füldner die Erkennungsmarke seines Großvaters aus dem Zweiten Weltkrieg sowie ein Herz, das ihm seine Frau genäht hatte. Von Regierungspräsident Mark Weinmeister stammt ein Playmobil-Luther.

Auch Verwünschungen spielen in Märchen eine Rolle. Künstlerin Jenny Rova setzt sich mit dem Neid auseinander – und ihrer Eifersucht, als ihr Freund mit einer anderen Frau zusammen sein will. Wie gehen wir damit um, wenn sich Wünsche nicht erfüllen, wenn Erwartungen nicht beflügeln, sondern Ballast werden? Am Ende kann man einen Wunsch loslassen, ihn in ein Display tippen, sodass er davonfliegt. Wie heißt es von „Hans im Glück“, der sich von allem materiellen Besitz befreit? „So glücklich wie ich, rief er aus, gibt es keinen Menschen unter der Sonne. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort.“

Bis 11. Juni, Weinbergstraße 21. Di bis So 10-18 Uhr, Fr 10-20 Uhr. Eintritt 10 (7) Euro, Familien 25 Euro, bis 6 Jahre frei. Nur Sonderausstellung 5 (3) Euro, Familien 12 Euro. grimmwelt.de

Wünsche erfüllen: Aktion des Künstlers Florian Graf.
Wünsche erfüllen: Aktion des Künstlers Florian Graf. © Schachtschneider, Dieter

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