Gemeinsam lachen: Kurzweiliges Kabarettistentreffen in Kassel

Das ist ja nicht zum Aushalten: Christoph Sieber war einer der Kabarettisten beim Finale von „Gemeinsam lachen“. Foto: Schoelzchen

Kassel. „Gemeinsam lachen“, die nach der Wiedervereinigung gegründete Initiative, hatte es sich anfangs zum Ziel gesetzt, Kabarettisten, Komiker und Comedians aus Ost und West zusammenzubringen und so die Wunden der Teilung zu überlachen.

Heute, 21 Jahre danach, ist dies nicht mehr nötig und das Kabarett ist längst gesamtdeutsch, nimmt man die sechs Kleinkünstler, die am Samstagabend im Blauen Saal der Stadthalle auftraten, als Maßstab: Keine Ossi-Witze, kein Wessi-Schelte gab es zu hören. Allein der sächsische, der schwäbische, der Berliner Zungenschlag verriet etwas über die Herkunft.

Für die 300 Zuschauer wurde es ein unterhaltsamer Abend, durch den der Musikkabarettist, Sänger und Pianist Michael Sens führte. Seine Udo-Lindenberg-Parodie war eine der größten Lachnummern.

Während der Schwabe Christoph Sieber eine eher assoziative Gegenwartskritik pflegt, die bewusst Albernheiten nicht umschifft (virtuos die Boris-Becker-Studie in Zeitlupe), setzt Martin Buchholz auf die ziselierte Sprache in der Verarbeitung der großen Themen, die da heißen Merkel („Hier stehe ich, ich kann auch anders“), Westerwelle (Homo, aber auch sapiens?), Guttenberg (was soll die Aufregung über die Doktorspielchen?).

Eine Schnellsprecherin ist die Sächsin Simone Solga. Noch rasanter ist ihre maschinenartig herausgespiene Analyse der Gegenwart, die vor allem die allgemeine Verblödung zum Thema hat. Wieder bekommt der gräfliche Ex-Verteidigungsminster („vorerst gescheitelt“) sein dickes Fett weg.

Sahra Wagenknecht ist „oskar-verdächtig“, und „wer den Euro hat, braucht sich um den Bankrott nicht zu sorgen“. Bedenkenswert auch der Vorschlag für eine neue europäische Währung: 1 Fiasko = 100 Debakel. Zum Schluss dann, ein Stück vom klassischen Politkabarett entfernt, das Duo „Zärtlichkeiten mit Freunden“ aus Riesa in Sachsen.

Ihr Auftritt wurde eine Art Publikumsbeschimpfung - „Die Kasseler haben nichts - nur die Hoffnung“ - und endete in einem ruppigen Streit der beiden skurrilen Protagonisten Stefan Schramm und Christoph Walther.

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