„Die Frucht der Verheißung“: Eine Nürnberger Ausstellung feiert „Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur “

Vorgeschmack aufs Paradies: Nürnberger Ausstellung feiert die Zitrusfrucht

Ob er wohl hineinbeißen will? „Madonna mit Jesuskind und Zedratzitrone“ von Giovanni Bellini, 1460-1464. Foto:  nh

Nürnberg. Ursprünglich in China und Indien beheimatet, hat die Gattung Zitrus bis heute rund 500 Sorten hervorgebracht. Über ihren gesundheitlichen Nutzen hinaus weisen sie einen vielfältigen Symbolwert auf. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg veranschaulicht den hohen Rang der Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur in einer Ausstellung.

Aufgeboten sind hochkarätige Kunstwerke, Kunsthandwerk sowie seltene Handschriften und frühe Buchdrucke.

Zitrusfrüchte verheißen ewiges Leben, haben aber auch Sünde und Tod über die Menschheit gebracht, versinnbildlichen Tugend und Reinheit, Fruchtbarkeit und Liebe. Schon in der griechischen Mythologie spielen die als „goldene Äpfel“ bezeichneten Zitrusfrüchte eine prominente Rolle. Im Göttergarten der Olympier gediehen die ewiges Leben garantierenden Früchte unter der Obhut dreier „Hesperiden“ genannter Nymphen. Herkules raubte drei der goldenen Wunderäpfel aus dem Hesperidengarten. Eine Giacomo Zoffoli zugeschriebene Bronzestatuette (Mitte 18. Jh.), geschaffen nach dem Vorbild der berühmten antiken Kolossalstatue des Herkules Farnese, zeigt den Helden nach der Tat. Nachdenklich auf seine Keule gestützt, hält er die drei goldenen Äpfel hinter seinem Rücken verborgen. Sie symbolisieren die Tugenden der Mäßigung des Zorns, der Habgier und der Wollust.

In der Bibel bleibt die Adam und Eva verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis namenlos. Das Christentum tendiert dazu, sie als Apfel zu identifizieren. Doch es gibt prominente Ausnahmen. In der christlichen Kunst gilt Jan van Eyck als erster Maler, der dem Baum der Erkenntnis Zitrusfrüchte zuschrieb, wie der Genter Altar (1432) veranschaulicht. Präsentiert wird eine im 19. Jahrhundert geschaffene Kopie der Tafel, die die in sich versunkene Eva nach dem Sündenfall zeigt. In der erhobenen Rechten hält sie eine dunkelgelbe, tief genarbte Frucht.

Christiane Lauterbach schreibt im Katalog: „Sünde und Sterblichkeit brachte die Frucht vom Baum der Erkenntnis der Menschheit. In der christlichen Exegese wird der Todesbaum des Gartens Eden jedoch durch die Erlösungstat Christi zum Lebensbaum im Endzeitparadies.“ Darauf weist uns Giovanni Bellinis Gemälde „Maria mit Kind“ (um 1465/70) hin. Ernst, ja den Tränen nahe, halten Maria und das Jesuskind gemeinsam eine auf die Passion vorausweisende Zitrone.

Waren Zitronatzitrone, Zitrone und Pomeranze schon seit der Antike im Mittelmeerraum verbreitet, gelangte die Apfelsine erst im 16. Jahrhundert als Import aus China nach Europa. Einen der frühen stolzen Besitzer des damaligen Luxusgutes hat Hans Bock d. Ä. 1584 in Lebensgröße porträtiert: den damals hochberühmten Basler Arzt Felix Platter. Zu seiner Linken steht ein Kübel mit einem Früchte tragenden Orangenbäumchen.

Zitrusfrüchte in Kunst und Kultur: bis 11.9. im Germanischen Nationalmuseum.

Von Veit-Mario Thiede

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