Vorhang auf für die Berlinale mit vielen Stars

Der rote Teppich ist ausgerollt: Der Berlinale-Palast am Potsdamer Platz ist das Herzstück der Internationalen Filmfestspiele. Foto:  dpa

Berlin. Ab heute wird Berlin wieder zu Hollywood: 500.000 Besucher werden zur 65. Berlinale erwartet. Wir blicken auf die Höhepunkte der Filmfestspiele.

Unsere Kultur-Redakteurin Bettina Fraschke berichtet live von der Berlinale auf Twitter

Vor, zurück, zur Seite, ran: Die Berlinale pflegt den umfassenden Blick auf die Welt und auf die Filmwelt. Heute Abend gehen in Berlin die Internationalen Filmfestspiele in die 65. Auflage, Prominenz flaniert über den roten Teppich, die Branche trifft sich, das Publikum steht Schlange für die begehrten Eintrittskarten. Was zeichnet die aktuelle Berlinale aus - neben Zahlen wie erwarteten 500 000 Besuchern, 441 Filmen und einem Etat von 22 Millionen Euro?

Die Leistungsschau: Die relevanten Filme eines Jahrgangs zu versammeln, ist der Anspruch der Berlinale. Dabei künstlerisch und gesellschaftlich auf der Höhe der Zeit zu sein - und wenn dazu einige Stars vor Ort sind, kann das ebenfalls nicht schaden. Dieses Jahr sind Regie-Schwergewichte wie Terrence Malick, Werner Herzog, Kenneth Branagh und Wim Wenders im Wettbewerb, ferner zeigen viel beachtete Filmemacher wie Jafar Panahi, Margarethe von Trotta und Rosa von Praunheim ihre neuen Arbeiten. Dass die Berlinale und die Fachmesse EFM erstmals im größeren Stil Fernsehserien ins Programm genommen haben, zeigt ebenfalls den Anspruch, den Zeittrend sowohl fachlich wie vom Publikumsinteresse her einzufangen.

Die Zukunftswerkstatt:  Technisch will die Berlinale ganz vorn sein - etwa bei der Verarbeitung des digitalen Filmmaterials, wo mit 10-Gigabit/s-Internetverbindungen, 250 Kilometer Glasfasernetz rund um das Festivalgelände und 800 Terabyte Speicherkapazität gearbeitet wird, um die Filme störungsfrei zu projizieren. Auf Festplatte müssen keine Regiearbeiten mehr versendet werden. Zudem wurden die Festivalkinos gerade mit der brandneuen Dolby-Atmos-Technik ausgestattet, einem neuen Klangsystem, das den Sound überall im Raum platziert - auch über den Köpfen des Publikums. Zukunftsbezogen ist die Berlinale auch wieder im Coaching des Filmnachwuchses, der in der Sektion „Talents“ von renommierten Filmemachern geschult wird. Thema diesmal: Umgang mit dem Raum. Dass das Früchte trägt, ist daran zu sehen, dass längst einstige „Talents“-Teilnehmer mit eigenen Beiträgen im Hauptprogramm angekommen sind.

Das Archiv: Die Berlinale versteht sich auch als Bewahrerin des Filmerbes, als Forschungsstätte zur filmischen Vergangenheit. Die Retrospektive des Festivals widmet sich der glorreichen Vergangenheit von Technicolor, des Farbfilmverfahrens aus dem Hause Eastman. So gibt es ein Wiedersehen mit Filmklassikern wie „African Queen“ mit Katharine Hepburn oder „Blondinen bevorzugt“ mit Marilyn Monroe. In der Reihe „Classics“ werden mit Berlinale-Mitteln restaurierte und damit gerettete Filmmeilensteine präsentiert - etwa der DDR-Film „Jahrgang ’45“ von 1960. Wim Wenders wird mit einer zehnfilmigen Hommage geehrt, die Reihe „Native“ über indigenes Filmschaffen diskutiert Verbindungslinien zwischen den mündlichen Erzähltraditionen vieler Urvölker und den Methoden des Kinos.

Das Panoptikum:  An vielen Ecken ist die Berlinale bunt wie ein Jahrmarkts-Panoptikum. Es wird schick gekocht zu essensbezogenen Filmen (mit politischem Anspruch), es läuft der meist-erwartete Film des Frühjahrs „Fifty Shades of Grey“, den man irgendwie ins „Special“-Programm eingeschleust hat. Und die begehrte Berlinale-Tasche ist dieses Jahr aus Jute - in Berlin liegt also hinter der Leinwand der Strand. Und das passt zur Traumwelt Kino. Film ab.

Von Bettina Fraschke

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