Schräge Literatur beim Ingeborg-Bachmann-Preis

Die Vorleser vom Wörthersee

Burkhard Spinnen

Ab morgen lesen sie wieder am Wörthersee: 14 Autoren streiten bei den 34. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

?Um was geht es beim Ingeborg-Bachmann-Preis?

!Um die inoffizielle Meisterschaft der deutschsprachigen Literatur. Wer den Hauptpreis gewinnt, bekommt 25 000 Euro und die Aufmerksamkeit des Feuilletons. Seit 1976 vergibt die Stadt Klagenfurt den Preis in Erinnerung an die aus der Kärntner Landeshauptstadt stammende Lyrikerin (1926-1973). Zwar heißt es oft, der Wettbewerb sei verschnarcht, oft aber macht der Bachmann-Preis neue Gesichter einer größeren Öffentlichkeit bekannt - etwa die Sieger Uwe Tellkamp (2004), der mittlerweile Bestsellerautor ist („Der Turm“), und Kathrin Passig (2006).

?Wie schafft man es als Autor nach Klagenfurt?

!Das Besondere des Wettbewerbs zeigt sich schon im Auswahlverfahren: Man kann sich nicht bewerben, sondern muss von einem der neun Jury-Mitglieder eingeladen werden. Vorsitzender ist der Schriftsteller Burkhard Spinnen. Nach Klagenfurt will im Grunde jeder deutschsprachige Literat einmal. Ein unbekannter Autor notierte einmal wütend: „Obwohl meine Texte viel besser sind als der Schrott, der dort jedes Jahr vorgelesen wird, bin ich noch nie eingeladen worden.“

?Wer ist diesmal eingeladen worden?

!Auffallend viele Schriftsteller, die im Herbst Bücher auf den Markt bringen. Der 55 Jahre alte Berliner Peter Wawerzinek las schon 1991 in Klagenfurt und legt nun seinen autobiografischen Roman „Rabenliebe“ vor. Max Scharnigg (29) ist Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und Vielreisender. Von seinen Erlebnissen handelt das Buch „Hotel Fatal“. Und die 25-jährige Sabrina Janesch aus Cottbus, deren Debütroman „Katzenberge“ bald erscheint, gibt in ihrem Blog ernüchternde Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Am 7. Juni heißt es: „Arbeitsbilanz des Tages: drei Seiten gelöscht. Es geht voran.“

?Worauf kommt es eigentlich an?

!Nicht nur auf die Qualität des Textes und aufs Vorlesen. Auch die Videoporträts der Autoren sind eine „hammerharte Prüfung“, bei der man nicht superernst, aber auch nicht superlustig rüberkommen dürfe, wie der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil vor einigen Jahren urteilte. So gesehen hat Aleks Scholz gute Chancen. Der gebürtige Thüringer, der in Dublin lebt, ist promovierter Astronom und philosophiert in seinem Clip über die Parallelen von Planeten und Wetten auf Hunderennen. Erst glaubt Scholz, den Sieger anhand der Schwanzstellung ausmachen zu können. Am Ende indes meint der Redakteur des Blogs riesenmaschine.de: „Der Schwanz hat überhaupt keine Bedeutung.“ Die Lesung des 35-Jährigen könnte superschräg werden. Foto: dpa

3sat überträgt von morgen bis Samstag jeweils ab 10 Uhr sowie Sonntag ab 11.10 Uhr. Stream: http://bachmannpreis.eu

Von Matthias Lohr

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