„Pergamon - Panorama der antiken Metropole“: Eine große Schau in Berlin erinnert an die prächtige Stadt

Vorliebe für das Gigantische

Spektakulär: Das 360-Grad-Rundbild des Künstlers Asisi ist 103 Meter lang und 25 Meter hoch und zeigt eine Ansicht der Stadt Pergamon. Foto:  dpa

Berlin. Der größte Hit unter den in Deutschland ausgestellten Kulturgütern ist der Große Altar der antiken Metropole Pergamon. Im Berliner Pergamonmuseum zieht er alljährlich eine Million Besucher an. Eine Sonderausstellung bettet ihn nun erstmals in sein kulturgeschichtliches Umfeld ein. Neben internationalen Leihgaben stützt sich die rund 400 Exponate umfassende Schau auf den reichen, bislang im Depot verstaut gewesenen Eigenbesitz des Museums.

Pergamon, das bis heute als Bergama fortlebt, liegt 30 Kilometer von der türkischen Westküste entfernt. Auf künstlich angelegten Terrassen statteten die Einwohner im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus ihre Residenz und die Stadtgemeinde mit Festungsanlagen, Heiligtümern, einem Theater, Gymnasion und einer Bibliothek aus.

In der Schau fällt sofort die Vorliebe der Attaliden für das Gigantische auf. In der dem Leben in der Stadt gewidmeten Ausstellungsabteilung etwa sind auf einer Art „Platz der Weiblichkeit“ sitzende oder stehende, immer aber überlebensgroße Gewandfiguren versammelt. Gar doppelte Lebensgröße weist der knapp einen halben Meter hohe „Kolossale Kopf des Herakles“ (1. Hälfte 2. Jh. v. Chr.) auf. Neben Herakles, den die Attaliden zu ihrem mythischen Stammvater auserkoren hatten, genoss Athena als Stadtpatronin besondere Verehrung. Von hohem Sockel blickt die Statue der Athena (180-170 v. Chr.), angetan mit ihrem von Schlangen gesäumten Brustschutz, auf uns hinab.

Herzstück ist die Abteilung „Siegreiche Herrscher“. Der 39 Zentimeter hohe Porträtkopf von König Attalos I. (regierte 241-197 v. Chr.) gehörte zu einer rund drei Meter hohen Statue. Ihre Siege ließen die pergamenischen Könige durch Statuenweihungen in Pergamon und der griechischen Welt verherrlichen. Etwa durch die emotionsgeladenen, ausnahmsweise unterlebensgroßen Marmorfiguren des „Toten Giganten“, der „Toten Amazone“, des „Sterbenden Persers“ und des „Sterbenden Galliers“.

Ihren heutigen Weltruhm aber verdanken die Attaliden vor allem dem im Pergamonmuseum aus zahlreichen Bruchstücken rekonstruierten Großen Altar. Dieses Hauptwerk der Kunst von Pergamon wurde auf Geheiß von Eumenes II. (regierte 197-159 v. Chr.) geschaffen. Sein 230 Zentimeter hoher Fries zeigt auf einer Länge von 113 Metern den siegreichen Kampf der olympischen Götter gegen die Giganten. Mit der Entdeckung dieses an Dramatik und Pathos kaum zu überbietenden Werkes gelangte die bis dahin wenig geschätzte hellenistische, also spätgriechische Kunst zu Wertschätzung.

Wie Pergamon vor 2000 Jahren ausgesehen hat, kann man in einem gigantischen Panoramabild erleben. Das vom Panoramakünstler Yadegar Asisi geschaffene Rundbild ist in einer Riesentonne vor dem Pergamonmuseum aufgehängt.

Bis 30.9.2012 im Pergamonmuseum, Museumsinsel, Tel.: 030-266424242, www.pergamon-panorama.de

Von Veit-Mario Thiede

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.