Vorschau zum Münchener "Tatort": Eine mörderische Puppe

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Bei den Ermittlungen: (von links) Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Kinderpsychologin Jenschura (Anne Werner) und und Ivo Batic (Miroslav Nemec).

Selbstjustiz, Kindesmissbrauch und vernetzte Spielzeuge stehen im Fokus im Münchner "Tatort: Wir kriegen euch alle" (Sonntag ab 20.15 Uhr, ARD). Einschalten lohnt sich, sagt unsere Kritikerin. 

Kommt der Weihnachtsmann mit einem großen Sack, bedeutet das für die Kinder eine schöne Bescherung. Eigentlich. Nicht aber im BR-„Tatort: Wir kriegen euch alle“. Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Film von Sven Bohse („Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren“):

Um was geht es in “Wir kriegen euch alle“?

Es ist eine kühle Sommernacht. Still ist es in einem Münchner Einfamilienhaus, bis eine Puppe („Senta“) der kleinen Lena (Romy Seitz) den Befehl erteilt, dem Weihnachtsmann die Balkontür zu öffnen – mitten im Sommer.

Am nächsten Tag werden die Eltern tot aufgefunden – sie wurden kaltblütig ermordet. Die kleine Lena hat überlebt, sie wurde vom Täter lediglich betäubt. Denn der brachte – wie gewohnt vom weiß-rot gekleideten weißbärtigen Mann – Kekse mit. Wer jetzt denkt, dass dieser Tatort durch eine sprechende Puppe in mystische Gefilde abtaucht, liegt falsch. Warum die Eltern ermordet wurden, ist den Ermittlern Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) schnell klar.

Was macht den 80. Fall der Münchner Ermittler besonders?

Selbstjustiz, Kindesmissbrauch und vernetzte Spielzeuge stehen im Fokus. Und: Der Täter macht es den Ermittlern einfach, denn er will eine eindeutige Botschaft senden: Den Satz „Wir kriegen euch alle“, hat er mit Blut an eine Wand geschrieben, dem männlichen Opfer (Lenas Vater) die Genitalien entfernt und die Zahl 25 II als Hinweis auf einen Strafrechtsparagrafen hinterlassen, der die Bestrafung der Mittäterschaft regelt. Er will Rache an einem Sexualstraftäter üben.

Wie entstand die Idee für „Wir kriegen euch alle“?

Laut Dr. Stephanie Heckner, die Redakteurin des Bayerischen Rundfunks (BR) für den „Tatort: Wir kriegen euch alle“ entstand die Idee vor drei Jahren, beim Lesen eines Artikels über eine auf der Spielwarenmesse Toy Fair in New York vorgestellte Puppe. Diese habe Eltern und Datenschützer in helle Aufregung versetzt, weil ein Fremder sie hacken und so anonym Kontakt zu Kindern aufbauen könnte. „Da war mir klar, dass das ein spannender Stoff für einen Thriller sein könnte.“

Was hat es mit sprechenden Puppen auf sich?

Smarte Puppen, wie die im „Tatort“ gezeigte „Senta“, sind in Deutschland von der Bundesnetzagentur seit Februar 2017 verboten worden. Damit Kinder mit der Puppe sprechen können, wird sie über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden. Ein verstecktes Mikrofon nimmt die Frage der Kinder auf und eine App wandelt diese Frage in einen Text um. Dann wird eine Antwort im Internet gesucht und die Puppe kann über einen Lautsprecher antworten. Die Bundesnetzagentur stuft solche Spielzeuge als „getarnte, sendefähige Anlage“ ein. Nach Paragraf 90 des Telekommunikationsgesetzes fallen darunter Geräte „die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind, aber dazu geeignet sind, andere unbemerkt abzuhören.

Lohnt sich das Einschalten also?

Ja! Der Film kreist darum, wie schnell Opfer zu Tätern werden können und sich selbst immer weiter in ein Netz der Verzweiflung treiben, ohne einen Ausweg zu finden.

Eine Kritik zum „Tatort“ lesen Sie ab Sonntagabend auf www.hna.de/kultur

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