Mütter im Anmarsch! Sabine Wackernagel im Theaterstübchen

Verschiedene Muttertypen im Visier: Sabine Wackernagel. Foto: Zgoll

Kassel. Ach ja, die Mütter. Was wären wir ohne sie? Es gibt allerdings auch die Kehrseite der Medaille: Mütter, die erdrücken, bevormunden, nicht loslassen, selbstherrlich sind und dominant.

Überwiegend mit dieser Spezies hat sich die Kasseler Schauspielerin Sabine Wackernagel einmal eingehend beschäftigt und aus Märchen, Sprichworten, Zitaten und Romanen Muttertiere ausgeguckt, über die man am Montag im gut besuchten Theaterstübchen viel schmunzeln und lachen konnte.

Ein köstliches Programm mit Gefühl und Biss. Vorsicht vor diesen Übermuttis, Groß- und Stiefmüttern. „Die Welt wird schön mit jedem Tag, an dem die Mutter nicht mehr kommen mag“, reimte einst Joachim Ringelnatz. In Wackernagels Programm finden sich dafür viele literarische Verbündete. Zunächst wird sie fündig in der Grimm’schen Märchenwelt. Was für Mütter! Die eine verzaubert ihre Tochter in einen Raben, die andere setzt Sohn und Tochter aus und resümiert: „Dann sind wir sie endlich los.“

Nicht so offensichtlich brutal, aber auch nicht weniger daneben benimmt sich die Mutterfigur aus dem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ der Schriftstellerin Alina Bronsky. Sabine Wackernagel schlüpft für fast zwanzig Minuten in diese Rolle und gibt schauspielerisch grandios eine Mutter Marke Albtraum mit starkem Realitätsbezug. Die Tochter will sie zur Abtreibung zwingen. Als das misslingt, übernimmt sie rücksichtslos selbst die Erziehung der Enkelin.

Schöne Kontraste im Programm setzte Sabine Wackernagel durch Sprichworte. Über eins aus Afrika vergnügte sich das Publikum ganz besonders: „Kinder wachsen besser, wenn man sie an den Ohren zieht.“ Erziehungsmethoden dieser Art hätten Schriftsteller wie Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky wohl lieber der eigenen Mutter angedeihen lassen. Auch von diesen beiden, wie auch von Erich Kästner, ist in dem Programm zu hören. Fazit: Wackernagel in Bestform. Lautstarker Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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