Vorsicht, Schwätzer! Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker in Vellmar

Im echten Leben würde man schnell Reißaus nehmen: Gerd Dudenhöffer in seiner Paraderolle des Heinz Becker zu Gast im Bürgerhaus Vellmar-West. Foto: Malmus

Vellmar. Gerd Dudenhöffer schickte am Mittwochabend mal wieder seinen Heinz Becker zum Nörgeln, Lamentieren und Besserwissen auf die Bühne – und wieder gab es jede Menge zu lachen.

Genau genommen ist es ja schon ein Phänomen: Würde man auf einen Typen wie Heinz Becker in irgendeiner Kneipe treffen und seine mit Selbstgefälligkeit, Borniertheit und emotionaler Gleichgültigkeit vorgetragenen Stammtisch-Philosophien und Dummschwätzer-Parolen mitbekommen, man würde die Kneipe flugs verlassen oder wäre geneigt, sich auf ihn zu stürzen. Erlebt man diesen Stinkstiefel, von dem es in der Realität genug Kopien gibt, aber auf der Bühne, kann man einfach nicht anders, als lauthals über ihn zu lachen.

So auch das Publikum im fast ausverkauften Bürgerhaus Vellmar-West. Zum Einstieg einige Kalauer: „Tja, mo wird älder, aber wie hod schon Petrus gesagt, auch ich wo ma jünger“ und „meine Hilde beschwert sich, ich här ihr nit zu – wird schon seinen Grund habbe“. Und das Publikum ist eingestimmt auf den Querulanten mit der Kappe, dessen Toleranz für Nicht-Deutsche („der Mensch, also wir Deutsche“), Frauenbewegungen, Ehefrauen, Homosexuelle (Becker würgt beim Aussprechen) und Politiker so begrenzt ist wie der Spielraum seiner Hosenträger über seinem tristen Baumwollhemd.

Feministinnen? Sind für Becker „Fraue, die keinen Mann abkriege“. Ehefrauen? „Einmal geheiratet, werden die für den Rest des Lebens durchgeschleppt“. Auch zu einem aufgesprühten Hakenkreuz fällt ihm ein deftiger Kommentar ein: „Des war falsch rum. Früher hädds des nicht gäbbe.“ Organspenden? „Vorsicht, mo is schneller usgeräumt, als wie man denkt.“ Todesstrafe? „Also die Hälfte von unserem Stammtisch ist dafür, die andere Hälfte net unbedingt dagege.“

Kein Tabu, keine Diskriminierung, kein Wert ist vor Beckers Boshaftigkeit sicher –und das Publikum kommt aus dem Lachen nicht raus. Dieses Kunststück muss man erst mal fertigbringen. Lautstarker Applaus und als Zugabe eine kleine Lesung zum Thema: Vor dem Paradies.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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