Vorzüglich: Eine "erotische Versuchsanordnung mit Mozart"

Zwei Schauspieler, zwei Pianisten: Klaus Beyer (von links), Andreas Grau, Götz Schumacher und Christina Weiser. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Kann eine Beziehung gelingen, die mit Erbsensuppe im Speisewagen begann? Diese Frage stellte sich bei dem Stück „also dann“ von Verena Joos (Text) und Reinhard Karger (Musik).

Die „Erotische Versuchsanordnung mit Mozart“ für zwei Schauspieler und Klavierduo wurde am Sonntagabend vor hundert Zuschauern in der Besetzung der Stuttgarter Uraufführung von 2009 im Schauspielhaus gespielt.

Sie (Christina Weiser) und Er (Klaus Beyer) haben sich nach sechzehn Jahren nichts mehr zu sagen, tun dies aber mit vielen Worten. Was sie sich an den Kopf werfen, ist gar nicht so wichtig, wohl aber, wie sie es tun.

Seine und ihre Argumentationsstrategie sind auf maliziöse Weise so gewählt, dass der oder die andere bewusst missverstanden und subtil provoziert wird. Wohl denen aus dem Publikum, die sich nicht hier und da an Szenen aus dem eigenen Privatleben erinnert fühlten. „Wir müssen reden“ und „Es geht um uns“: Die Sätze der Frau sind nur Leuchtraketen, um sich in Stellung zu bringen.

Zu reden ist nichts mehr. „Nachher ist man klüger, vorher ist man glücklicher“, wirft der Mann ein. Ach, wenn sie doch nur auseinandergingen! Doch eine Stunde müssen sie aushalten, und wer gekommen war, dem blieb das Lachen im Halse stecken.

Musikalisch wird dies alles mit dem Schönsten des Schönen illustriert: mit Mozart. Das vorzügliche Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher bekam von Reinhard Karger die Aufgabe, den ersten Satz von Mozarts Klaviersonate a-Moll KV 310 zu spielen, doch dies auf zwei um einen Viertelton gegeneinander verstimmten Flügeln. Die Dissonanz der beiden Personen wurde so Klang.

Wenn aber nur einer von beiden spielte, dann öffnete sich klanglich der Himmel. Hat das Paar doch eine gemeinsame Zukunft? Kaum vorstellbar, doch auch nicht ausgeschlossen.

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