Caricatura in Kassel würdigt F. K. Waechter 100. Ausstellung

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Frohgemut und frei: Drei Arbeiten von F. K. Waechter, in der Mitte ein Waechter-Klassiker: „Adele zeigt ihren Brüsten die Männer.“

Kassel. Die Caricatura in Kassel würdigt mit ihrer 100. Ausstellung den Zeichner F. K. Waechter (1937-2005). Er war einer der Wegbereiter und Mentoren der Galerie für Komische Kunst.

Die Caricatura in Kassel ehrt mit ihrer 100. Ausstellung und zum 20-jährigen Bestehen des Kulturbahnhofs mit F. K. Waechter (1937-2005) nicht irgendeinen Großmeister der Komischen Kunst. Waechter war Ideengeber, Wegbereiter und Wegbegleiter der Kasseler Galerie – der „Pate“ der Caricatura, wie Armin J. Noll vom Caricatura-Team sagt. Ein Klassiker, der eine Generation jüngerer Zeichner geprägt hat.

So ist es mehr als angemessen, dass nun in Kassel der ganze Waechter zu bewundern ist – von frühen, sehr selten ausgestellten Blättern bis zu Bildern, die sich im kollektiven Komik-Gedächtnis eingeprägt haben.

Die Ausstellung findet statt mit Unterstützung des Wilhelm-Busch-Museums für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover, zu dem, wie Caricatura-Geschäftsführer Martin Sonntag sagt, ein „freundschaftliches Verhältnis“ bestehe – das Netzwerk der deutschsprachigen Museen, in denen Komische Kunst gepflegt und gefördert wird, soll ausgebaut werden. In Hannover wird der Nachlass Waechters – 3400 Arbeiten – aufbewahrt.

Caricatura-Urgestein Achim Frenz gehörte in den 80ern einer Gruppe „Visuelle Opposition“ an der Kasseler Kunsthochschule an, die in der Siebdruckwerkstatt freche Plakate fabrizierte, um sie an der Hochschule und in Szenekneipen zu platzieren: „eine Art Dada-Ästhetik mit komischen Elementen“. Weil die Gruppe eine Fortbildung in Sachen Komik wünschte, wurde über die studentische Mitwirkung im Fachbereichsrat Waechter als Dozent angefragt – der sich gegen die Lehrtätigkeit sträubte, dann aber doch 30 Studenten in die alte Schule einlud, die er in Eichenrod (Vogelsberg) gekauft hatte.

Eine Woche wurde intensiv gearbeitet – ähnlich wie heute in der Sommerakademie der Caricatura. Frenz spricht von Waechter als „großer Techniker und super Geschichtenerzähler“. Niemand unter den großen Cartoonisten habe so gut zeichnen können wie der Mentor der Caricatura.

Vorgestellt wird er als Künstler mit hohem Anspruch. Wenn Waechter ein Detail missglückt fand, unzufrieden war, begann er von vorn – der Unterschied ist oft so marginal, dass kaum auffällt, welches die erste Fassung, welches eine spätere Version ist.

Aus den frühen Jahren: Zeichnung von F. K. Waechter.

Mag Waechter meist nicht so bissig-böse sein wie viele heutige Cartoonisten, es gibt herrliche Entdeckungen zu machen wie das „Frauenfreigehege Dingolfing“ von 1978. Oft ist Melancholie zu spüren. Treffen sich zwei Männer auf der Straße. „Alles klar?“, fragt der eine. Antwort: „Ne, wieso?“ Ein großes Thema: Konkurrenz – und sei es beim Tier-Wettbewerb im Brummen. Männer stehen häufig, wie ein Blatt heißt, „auf verlorenem Posten“. Spürbar ist vor allem das zeittypische Bemühen, Autoritäten zu untergraben – 1970 hatte Waechter auch mit einem antiautoritären „Anti-Struwwelpeter“ Furore gemacht.

 

Bis 22. November, neue Öffnungszeiten: Di-Sa 12-19 Uhr, So 10-19 Uhr. Eintritt 4/3 Euro. Führungen sonntags 15 Uhr. www.caricatura.de

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