Die wilden 60er: Die Schlagerrevue „Sixty, sixty“ hatte Premiere in der Komödie

Nie war Wäsche weißer

Spiellust: von links Astrid Schulz (auch Regie), Marco Linke (Winnetou), Petra Stockinger (als dessen Schwester Nscho-Tschi), Tanja Bahmani und Christian Schliehe (Old Shatterhand). Foto: Malmus

Kassel. Der Zeitzug rollt und ist nicht mehr zu stoppen. Zurück in die 60er-Jahre. „Marmor, Stein und Eisen bricht“, singen die sechs auf der Bühne, das Publikum im ausverkauften Haus stimmt begeistert ein. Standing Ovations, Applaus für die eigene Vergangenheit. Damals, ja damals.

Und vor allem fröhlich sein. In der Kasseler Komödie ist das inzwischen Programm. Die Damen, auffällige Mehrheit, prosten sich schon im Foyer mit Prosecco zu: „Auf einen angenehmen Abend.“ Wird er auch.

Mit „Souvenirs, Souvenirs“ startet die Zeitreise „Sixty, sixty“. Versatzstücke und Requisiten, Schlager und Spielshows beschwören ein Jahrzehnt: Der Fernseher als Mittelpunkt der Familie, „Der goldene Schuss“ als Samstagabendvergnügen für Vater, Mutter und Kinder. Mit dem VW nach Bella Italia. Alles so lang her. Ein Blick zurück ist das für die Älteren, Retro-Spaß für die Jungen: Diese Frisuren, diese Klamotten, und um 22.30 Uhr ist Sendeschluss.

Das Schubi-Dubidu-Programm funktioniert. Besonders wenn es auf Teufel komm raus zwischen Nostalgie und Comedy inszeniert wird. Regisseurin Astrid Schulz jagt die Stimmung hoch, und die Ohrwürmer von einst drücken die Reset-Taste unserer Erinnerung. Verblüffend einfach, wie Jugendrevolution und Mondlandung, Aufbruchsstimmung und noch vorhandener Sumpf der Spießigkeit zusammenfließen: Nie war Wäsche weißer, nie waren Lieder banaler.

Die Schlager, als kurioses, leicht ironisches Medley mit Spielszenen inszeniert, begeistern: „Ganz in Weiß“, „Merci Cherie“, „Weiße Rosen aus Athen“ oder „Twist again“.

Sechs Schauspieler zeigen ungeheure Spiellust: Christian Schliehe und Marco Linke als hinreißende Winnetou und Old Shatterhand, Tanja Bahmani als raumfüllende Gute-Laune-Kanone mit Soul-Stimme, Petra Stockinger als süßes 60er-Jahre-Girl, Astrid Schulz als brave Hausfrau mit toupiertem Haar und Christian D. Trabert, Moderator im Glitzerlook oder Mann im Mond. Urkomisch „Die Schlagerrevue“ zum Mitsingen. Ein Spießer, wer keinen Spaß daran hat. Nach der 70er-Revue setzt die Komödie erneut auf Spaß und gute Laune im Nostalgie-Look.

Viele Termine bis 5.2.2011, Karten: Tel. 0561 / 18383, www.komoedie-kassel.de

Von Juliane Sattler

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