Liederabend von Ulrike Schneider und Giulia Glennon

Wagner, unangestrengt

Sie erzählten von ewiger Liebe: Pianistin Giulia Glennon und Mezzosopranistin Ulrike Schneider. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Natürlichkeit ist nicht unbedingt die erste Eigenschaft, die einem zu Richard Wagner einfällt. Im Opernfoyer riefen seine „Wesendonck“-Lieder jedoch genau diesen Eindruck hervor: Mezzosopranistin Ulrike Schneider und Pianistin Giulia Glennon beeindruckten mit einer einnehmend schönen, elegisch getönten Interpretation dieses von unerfüllter Liebe inspirierten, „Tristan“-nahen Liederzyklus.

Wunderbar unangestrengt brachte Ulrike Schneider die weiten Melodienbögen des vor 200 Jahren geborenen Giganten zum Klingen. Das hatte kein überzogenes Pathos, verlor sich nicht in deklamatorischen Einzelheiten und betonte so das melodische Genie Wagners.

Nicht minder erfolgreich würdigten Schneider und Glennon den Jubilar Benjamin Britten (1913-1976). Sein „Charm of Lullabies“ bot eingangs in „A Cradle Song“ ein raffiniertes Miteinander der Stimme und einer delikat gespielten, „schrägen“ Klavier-Linie, servierte dann schottische Anklänge und zeichnete lebensnahe Situationen. „Quiet! Sleep!“, rief Schneider im turbulenten „A Charm“: Manche Kinder wollen einfach nicht einschlafen.

Drängend erzählten die Künstlerinnen danach von ewiger Liebe, schmunzeln konnten die 60 Gäste hingegen über ein vergebliches Ständchen: Ausgewählte Lieder von Johannes Brahms eröffneten den zweiten Teil des Recitals mit dem hübschen Titel „Frauenlieder sprechen Bände“.

Dank mit Wiegenlied

Beim Shakespeare-Zyklus „Let us garlands bring“ des Engländers Gerald Finzi gab’s für die beiden wieder die Gelegenheit, mit ruhigen, elegischen Melodien zu punkten. Bravos, rhythmisches Klatschen: Das vorzügliche Duo bedankte sich dafür mit Brittens „A Charm“ und dem berühmten Wiegenlied von Brahms.

Von Georg Pepl

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