Wirbel um neuen Mäzenatenkreis bei Bayreuther Festspielen

Wagners Konkurrenten

Bayreuth. In Bayreuth brauchen Innovationen ihre Zeit. Das erlebt Katharina Wagner, wenn sie die Buhrufe für ihre persiflierende „Meistersinger“-Inszenierung entgegennimmt. Eva Wagner-Pasquier und sie öffnen die Festspiele zwar nach ihrer Leitungsübernahme 2009 mit Public Viewing, Einführungsvorträgen und Kinderoper. Jenseits solcher Inhalte ist jetzt der Unmut auf dem Grünen Hügel aber gewachsen. Denn es gibt eine neue Mäzenatenvereinigung. Neben der altehrwürdigen „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ (GdF) erhebt nun „Taff“ eigene Ansprüche.

?Was hat es mit „Taff“ auf sich?

! „Wir sind Festspiele“, heißt der selbstbewusste Slogan der neuen Mäzenatenvereinigung „Taff“ (Team aktiver Festspielförderer). „Der Verein will gehört werden“, heißt es in der Selbstdarstellung. Die Festspielförderer wissen sich von Katharina und Eva unterstützt und fühlen sich stark. In diesem Jahr haben sie die Finanzierung des glamourösen Künstlerempfangs übernommen - ein wichtiger Gesellschaftstermin. „Taff“ lockt zudem mit exklusiven Probenbesuchen. Ob es für die neuen Mäzene auch ein Kartenkontingent geben wird, steht noch nicht fest.

?Welche Rolle spielen die „Freunde“ für das Festival?

!Die 5324 Mitglieder umfassende Vereinigung verfügt nach Recherchen des Nordbayrischen Kuriers über ein Vermögen von 8,7 Millionen Euro. 2009 sind mehr als drei Millionen Euro Spenden zusammengekommen. In diesem Jahr beträgt die Förderung der GdF knapp drei Millionen Euro. 24 Prozent der begehrten Karten gehen an „Freunde“.

?Warum gibt es nun Unmut bei den „Freunden“?

!Die Konkurrenz schmeckt der GdF nicht besonders. Vorsitzender Georg Freiherr von Waldenfels verlangt von der Geschäftsführung, deutlich zu machen, wer in Sachen Mäzenatentum ihr Partner sei. Die GdF findet sich zudem in einer neuen Rolle: Sie ist nun auch Gesellschafter des Festivals - wie Bund, Land und die Stadt Bayreuth. Katharina und Eva sind nur noch Angestellte der Festspiele. Die Gesellschafter kommen für die Verluste des 8-Millionen-Euro-Festivals auf (Zuschüsse insgesamt: ca. 4,4 Millionen). Die Festspielorganisation war umgestellt worden, früher war Komponistenenkel Wolfgang Wagner Alleingesellschafter und Geschäftsführer.

?Um welche Vorhaben wird derzeit verhandelt?

!Die Festspiele benötigen eine neue Probebühne. Die zu finanzieren zögern die „Freunde“ aber. Bauprojekte seien nicht ihre Aufgabe. Die Festspiele sind auf die Unterstützung angewiesen, da die Stadt sich an der Finanzierung nicht beteiligen kann.

Von Bettina Fraschke

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