Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen

Wahnsinn, der Liebe heißt

Liebeswerben: Die Offiziere (Guido Kleineidam und Thomas Henniger von Wallersbrunn) und Kapitän Antonio (Peter Anger, hinten von links) beobachten wie Orsino (Florian Reiners) Olivia (Anna Döing) auf einem Rosenteppich umwirbt. Foto:  Jelinek

Bad Gandersheim. „So voller Wahnsinn ist die Raserei, die Liebe heißt - dass sie am Ende auch sich selber in den Wahn der Sinne reißt.“ So stellt es William Shakespeare in seiner Komödie „Was ihr wollt“ fest, die bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen gezeigt wird. Die Premiere am Freitagabend wurde unter wolkenlosem Himmel heftig beklatscht.

Der Kleiderständer als zentrales Bühnenelement zeigt schon an, was hier das Thema ist: Wer ist wer? Viola trägt Männerkleider, nennt sich Cesario und verliebt sich in Herzog Orsino, Gräfin Olivia verliebt sich aber gleichzeitig in sie. Zwillinge werden verwechselt und verkehrt herum angeschmachtet. Haushofmeister Malvolio ordnet einen Liebesbrief fälschlich der angebeteten Olivia zu, tatsächlich wurde er vom Kammermädchen Maria verfasst - im Liebestaumel macht er sich lächerlich, was von der feixenden Anstifterin natürlich geplant war. Bis sich (fast) alles zum Guten wendet.

Regisseur Johannes Klaus verknüpft wunderbar die slapstickhaften Komödienelemente mit der ernsten Frage, warum wir jemanden lieben.

Wenn wir so leicht getäuscht werden können von ein paar falschen Kleidungsstücken - entspringt die Liebe zu einer Person dann nicht hauptsächlich unserem Wunsch, überhaupt zu lieben? „O Geist der Liebe, was gierig will zum höchsten Gipfel - es wird gezogen in die tiefste Tiefe.“ Die Bühne vor dem Domportal ist bedeckt mit roten Rosenblüten, die sanft vom Wind bewegt werden (Ausstattung: Birgitta Weiss). Schwelgerisch - wie unsere Liebessehnsucht.

Das bestens aufgelegte Ensemble begeistert bei den deftig-kräftigen Scherzen, etwa dem furiosen Kanon „Halts Maul du Lump“ von den schrägen Vögeln, die sich bei Olivia eingenistet haben (Alexander Wipprecht, Thomas Neumann, Silke Dubilier, Reinart Firchow). Aber auch in den ernsteren Momenten, allen voran der Wandlung der spröden Olivia zu einer sinnlichen Frau. Anna Döing zeigt die beeindruckendste Darstellerleistung: Gerade noch herumzickend mit der Ausstrahlung einer Mädchenpensionats-Leiterin, wälzt sie sich Minuten später als sinnlich-bettelndes Liebeskätzchen auf dem Boden.

Florian Reiners ist als Orsino ein melancholischer Dandy, Katharina Bach verströmt als Viola und verkleideter Cesario frechen Jungs-Charme. Holger Spenglers liebeskranker Malvolio steigert sich zehentrippelnd und mit alertem Megagrinsen in einen Wahn hinein, der ihn vergessen lässt, was hell und dunkel ist. Szenenapplaus. Es dauert zwar etwas, bis der Abend das erforderliche Tempo findet, die kompakt zugeschnittene Szenenfolge kommt dann aber passgenau auf den Punkt.

Bis 7. August. Kartentelefon: 05382-73777.

Von Bettina Fraschke

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