Das Ulf Wakenius Organ Trio gab im Theaterstübchen ein Konzert, das kaum Wünsche offen ließ

Legte im Theaterstübchen gleich energisch los: Das Ulf Wakenius Organ Trio mit (von links) Ulf Wakenius (Gitarre), Tony Match (Drums) und Leonardo Corradi (Orgel). Foto: Malmus

Kassel. Abgesehen davon, dass im Moment alles mehr Qualität besitzt als der amerikanische Wahlkampf, gab es bei dem gut besuchten Konzert des Jazzgitarristen Ulf Wakenius und seinem Trio im Theaterstübchen einige interessante Erkenntnisse zu bestaunen.

Zum einen bestätigte sich das Gerücht, dass Männer nichts vom Vorspiel verstehen.

Die Band um den schwedischen Saiten-Hexer Wakenius jagte los wie Hammy das Eichhörnchen und verarbeitete schon im ersten Song jene Jazzrezeptur, die sich eher für einen Hundertmeterlauf als für einen ausgedehnten Waldspaziergang eignet. Dann war da noch der 24-jährige italienische Organist Leonardo Corradi, der abgezockt wie ein Synkopen-Veteran durch die Harmonien tanzte und dabei meisterhaft Fußpedal, Zugriegel und Tastenmanuale der brillant klingenden Hammond B3 bearbeitete.

Die Zukunft des Jazz scheint gesichert. Und dass man Gassenhauern wie „Sunny“, „Oh when the saints“ und „Smile“ noch so viel Energie und Raffinesse entlocken kann, das einem der Atem stockte, diente als Beweis für die zeitlose Eleganz dieser Kompositionen, die nichts von ihrem Reiz verloren hat.

Auch dass man Songs von Wes Montgomery und Dizzy Gillespie wieder nutzte, um sich in aller Freundschaft und mit Respekt solistisch zu duellieren, gehörte zu den von einem euphorisiertem Publikum mit Bewunderung verfolgten Attraktionen des Abends. Dass sich bei all dem kreativen Multitasking Schlagzeuger Tony Match dezent zurückhielt, sorgte für Windstille auf dem Hochseil und bescherte den beiden Hauptakteuren Wakenius und Corradi Zeit und Raum für ihre Ideen.

Mit mehreren Zugaben belohnte das Trio die Gäste und den Veranstalter Markus Knierim für einen stimmungsvollen Abend, der mit expressiver Leidenschaft und Musikalität aufwarten konnte.

Von Andreas Köthe

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