Staatstheater: Tom-Waits-Musical „Black Rider“ in der Karlsaue - Premiere am Freitag

Wald, Feuer, Teufelspakt

Der Teufel in siebenfacher Gestalt: Sebastian Klein (von links), Michele Meloni, Thomas Meczele, Enrique Keil, Frank Richartz, Bernd Hölscher und Aljoscha Langel als Stelzfüße auf der Open-Air-Bühne mit Lagerfeuer und vor den Bäumen der Karlsaue. Foto:  Klinger

Kassel. Ein Traumpaar William und Kate gab es schon in der romantischen deutschen Freischütz-Sage. Der junge Wilhelm will darin die Gunst des schönen Käthchens erringen, und lässt sich dafür mit dem Teufel ein. Der gibt ihm Gewehrkugeln, die immer treffen - doch die letzte Kugel lenkt er selbst. Songwriter Tom Waits, Dichter William S. Burroughs und Regisseur Robert Wilson haben 1990 aus dem Stoff, der auch Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ inspirierte, ein Rockmusical gemacht.

Oberspielleiter Patrick Schlösser inszeniert es für das Kasseler Staatstheater als Open-Air-Stück in der Karlsaue, Premiere ist am Freitag. Und wenn er auf der Tribüne sitzt und durch den geöffneten roten Vorhang auf die altehrwürdigen Bäume des Parks blickt - dann ist er überzeugt, dass die Kulisse nicht passender sein könnte. In „The Black Rider“ endet der Teufelspakt allerdings in der Katastrophe: „Wilhelm bekommt Kraft, verliert aber die Liebe“, so Schlösser. Um das Dämonische zu verstärken, hat er die Figur des Teufels, den Stelzfuß, mit sieben Darstellern besetzt.

Insgesamt agieren 23 Schauspieler und Tänzer auf der mit Feuer beleuchteten Bühne, dazu kommt die fünfköpfige Band unter Leitung von Wolfgang Siuda. Das Ganze wird bewusst als opulentes Spektakel gestaltet.

Die Arrangements wurden neu geschrieben, so Siuda, „lebendig und klangreich“. Schlösser gefällt, dass das Stück nicht so glatt ist wie viele aktuelle Musicals. „Es erzählt zwar emotional von der Liebe, ist aber mit einem Augenzwinkern auch ganz schön böse.“ Den Vergleich mit Tom Waits’ CD-Einspielungen der Lieder scheut er nicht: „Wir haben einen ganz eigenen musikalischen Ausdruck gefunden, der zu den Stimmen unserer Schauspieler passt.“

Der ironische Ansatz der Kompositionen soll durchscheinen, ohne die Produktion ins Trashige zu ziehen. Schlösser: „Eine ernsthaftere Kulisse als diesen Wald gibt es nicht.“

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.