„DSDS“-Fans protestieren, weil Pietro Lombardis Single angeblich nicht im Radio läuft

Wann ist ein Hit ein Hit?

Seine Single führt die Charts an, aber 39 Millionen Radiohörer der öffentlich-rechtlichen Stationen mögen „Call My Name“ angeblich nicht: „DSDS“-Sieger Pietro Lombardi (18). Montage: Köberich

Für Dieter Bohlen ist die Sache mit „Call My Name“ ein Skandal, der mindestens so groß ist wie seine eigene Klappe. In den Charts steht die erste Single von Pietro Lombardi, dem Sieger der achten „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel ganz oben, nur die ARD will davon angeblich nichts hören.

Während allein der bayerische Privatsender Radio Gong den Titel in der vorvergangenen Woche fünfzehn Mal spielte, lief er in allen Pop-Wellen der ARD lediglich sieben Mal, wie die „Bild“-Zeitung empört vorrechnete. „DSDS“-Chefjuror Bohlen klagte darum: „Wir könnten 500 Jahre auf Nummer eins sein, die ARD würde uns trotzdem nicht spielen. Das empfinde ich über alle Maßen als unfair.“

Es ist eine etwas bizarre Debatte, die auf dem Boulevard und im Internet stattfindet. Denn manche empfinden es gerade als Segen, dass sie nicht rund um die Uhr dieses doch etwas dünne Plastikpop-Liedchen hören müssen. Andererseits stellt sich jetzt die Frage, wie die Musik eigentlich ins Radio kommt.

Von einem Boykott will man bei der ARD nichts wissen. „Das ist eine Unterstellung“, wetterte Wolfgang Schmitz, Vorsitzender der ARD-Hörfunk-Kommission, in der „Bild“. Und Tobias Häuser vom Hessischen Rundfunk wies gegenüber unserer Zeitung darauf hin, dass Songs von Lombardi sowie dessen Freundin Sarah Engels sowohl bei hr3 als auch auf der Jugendwelle You FM laufen. Zudem war der 18-Jährige im Studio zu Gast.

Trotzdem sind die Casting-Helden beim Stammpublikum der öffentlich-rechtlichen Sender keine Superstars. „Casting-Gewinner haben es bei unseren Hörern oft schwer“, sagt Iris Bents vom Norddeutschen Rundfunk. Das gelte für die junge Welle N-Joy sowie NDR 2, wo selbst „erwachsenere“ TV-Gesichter wie Tobias Regner keinen großen Zuspruch erhielten.

Die Radiomacher wissen das durch Umfragen. Den guten alten Moderator, der vor der Sendung die Platten aus seinem Koffer packt, gibt es nicht mehr, sagt Dominik Kuhn von Radio FFH. Wie bei allen großen Stationen wählt auch beim hessischen Privatsender eine Musikredaktion interessante Neuerscheinungen aus. Per Computerprogramm wird dann festgelegt, wie oft ein Titel am Tag läuft.

Das nennen die Radiomacher Rotation. Während manche Sender bestimmte Songs neunmal am Tag spielen, wiederholt FFH die größten Hits innerhalb von 24 Stunden nur viermal. Derzeit sind das die Singles von Bruno Mars („Grenade“), Jennifer Lopez („On The Floor“) und der Punk-Band Jupiter Jones („Still“). „So stellen wir ein gut klingendes Programm zusammen“, sagt Kuhn, während Kritiker Formatradios nur für „den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner“ halten.

Dass Lombardis Lied ebenfalls Geschmackssache ist, haben sie auch bei der ARD erkannt: Am Sonntag hörten die Zuschauer der sonst so kulturkritischen Seifenoper „Lindenstraße“, wie aus dem Radio „Call My Name“ dudelte.

Pietro Lombardis Debütalbum „Jackpot“ erscheint morgen bei Universal.

Von Matthias Lohr

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