Interview: Daniel Brühl spielt in „Der ganz große Traum“ den Lehrer, der den Fußball nach Deutschland holt

„War bei meiner Ehre gepackt“

Er ist einer der vielseitigsten deutschen Jungschauspieler. Der 32-jährige Daniel Brühl spielt in dem diese Woche anlaufenden Film „Der ganz große Traum“ den Lehrer Konrad Koch, der 1874 den Fußball nach Deutschland brachte – eine Paraderolle für den bekennenden Fan des runden Leders.

Was für eine Beziehung haben Sie zum Fußball?

Daniel Brühl: Eine innige. Ich habe schon als Kind und als Jugendlicher gern gekickt, aber nie gut genug, um im Verein zu spielen. Ich habe aber ein gutes Ballgefühl, ich war in der Schule immer unter den Ersten, die man wählt. Privat ist es jetzt leider auch ein bisschen eingeschlafen. Fußball-Fan bin ich von Kindesbeinen an. Natürlich ist der 1. FC Köln immer noch meine Mannschaft, weil ich dort aufgewachsen bin. Die Ergebnisse sind natürlich in den letzten Jahren traurig. Zum Glück habe ich zum Ausgleich den FC Barcelona, weil ich dort geboren bin. Das macht natürlich richtig Freude, ich bin ganz oft im Stadion. Ich war auch zuletzt beim 5:0 gegen Real Madrid dabei, da geht einem schon das Herz auf. Mein Lieblingsspieler ist Iniesta.

Wie erklären Sie sich den Reiz dieser Sportart?

Brühl: Eine Mannschaftssportart begeistert die Massen meistens mehr als Einzelsportarten. Da kommt der Teamgeist hinzu. Es ist eine sehr schnelle und harte Sportart, aber nicht zu hart. Außerdem, und das spielt ja auch in unserem Film eine Rolle, kommen beim Fußball Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen, sowohl im Team als auch am Rand des Spielfelds. Fußball schweißt Anwälte und Arbeiter, Jung und Alt zusammen.

Dieses leidenschaftliche Plädoyer klingt so, als musste man Sie nicht lang zur Mitwirkung am Film überreden.

Brühl: Nein, null. Ich war als Fußballfan auch bei meiner Ehre gepackt, weil ich keinen Schimmer hatte, wer dieser Konrad Koch ist. Auf die Frage, wann dieser Sport hier angekommen ist, habe ich keine Antworten gehabt. Als ich das Drehbuch in der Hand hatte, dachte ich, dass es geil ist, einmal im Leben so einen Fußballfilm zu machen. Unser Konrad Koch versucht, diese Drillschule umzukrempeln und etwas Neues zu machen.

Was zieht Sie nach Spanien?

Brühl: Zum einen arbeite ich häufig dort und werde als spanischer Schauspieler angesehen. Auf der anderen Seite wurde die Sehnsucht nach diesem wenig gelebten Teil von mir immer größer.

Sind Sie dort ein Anderer?

Brühl: Es ist ganz angenehm, dass man mich dort nicht als den ewig Jugendlichen ansieht. Ich hüpfe dort etwas freudiger durch die Gegend. Es ist für mich trotzdem noch Neuland. Beruflich kenne ich viele wichtige Namen noch nicht. In Deutschland habe ich alles schon ein wenig abgegrast. Und die Auftragslage ist auch nicht so, dass ich mit brillanten Drehbüchern zugeschüttet werden würde.

Wie sieht Ihr eigener ganz großer Traum aus?

Brühl: In diesem Jahr erfüllen sich ein paar Träume. Ich eröffne mit drei Freunden ein spanisches Restaurant in Kreuzberg. Außerdem schreibe ich für den Ullstein-Verlag ein Buch über Barcelona.

Was ist das für ein Restaurant?

Brühl: Es ist eine ordentliche Tapas-Bar. Wir waren alle sehr unzufrieden mit der Qualität der Tapas-Läden in Berlin. Es schmeckt nirgends, wie es in Spanien schmeckt. Außerdem möchten wir einen Ort schaffen, an dem es so aussieht, als wäre man mal für ein Stündchen in Barcelona.

Im Film kommen auch die deutschen Tugenden Disziplin und Pünktlichkeit zur Sprache. Sind Sie an internationalen Sets disziplinierter als andere?

Brühl: Dass ich besonders pünktlich bin, glaube ich nicht. Allerdings gibt es Momente in Spanien, in denen ich merke, dass ich diesen deutschen Teil in mir trage. Eine gewisse Gründlichkeit oder Verbindlichkeit findet man nicht überall so wie hier. Im Film möchte Konrad Koch die übertriebene deutsche Strenge, die knochentrockene Disziplin und den Drill entschärfen. Das ist sehr löblich. Ich wäre zu dieser Zeit nicht gern ein Kind gewesen, das Angst vor Schlägen haben muss.

Von André Wesche

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