Jubel, Trubel, Zeitverzug ab 18 Uhr auf der ARD

Warum andere die Deutschlandtore bei der WM vielleicht eher sehen

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Während die einen noch bangen, freuen sich die anderen schon: Das kann passieren, wenn es wegen unterschiedlicher Empfangskanäle zu Verzögerungen bei der Fußball-Liveübertragung kommt. Die können im Fernsehen bis zu neun Sekunden betragen.

In Brasilien werden ARD und ZDF erstmals alle 64 Spiele einer Fußball-WM – wie heute das erste Gruppenspiel der Nationalelf gegen Portugal – live übertragen. „Live“ – das ist jedoch nur eine relative Größe. Jeder, der den Nachbarn schon mal jubeln hörte, während auf dem eigenen TV-Gerät das Tor noch gar nicht gefallen war, kann davon ein Lied singen.

Wie kann es sein, dass das „Live“-Signal mit unterschiedlicher Verzögerung die deutschen Wohnzimmer und Public-Viewings erreicht?

Eine Frage der Empfangskanäle, wie Bertram Bittel weiß. Bittel ist als Direktor Technik und Produktion beim SWR tätig und bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien als ARD-Teamchef im Einsatz. Dabei koordiniert Bittel die Rahmenberichterstattung. Die Bilder von den Spielen jagen hingegen automatisch über das International Broadcasting Center (IBC) hinaus in die Welt. Über Knotenpunkte in den USA wird Europa über eine Glasfaserleitung durch den Atlantik beliefert. Das Signal ist dennoch bereits eine Sekunde später in den heimischen Studios von ARD und ZDF angekommen. Danach findet es den Weg zu den Empfangsgeräten – und der ist unterschiedlich lang.

Wer die WM über Satellitenempfang im TV verfolgt, hat drei Sekunden nach einem tatsächlichen Tor Anlass zum Jubeln. Allerdings nur diejenigen, die in Standardauflösung (SD) fernsehen, sagt Bittel. Beim HD-Signal erfordere das Kodieren und Dekodieren der größeren Datenmengen etwa zwei Sekunden mehr Zeit. Wer ein WM-Spiel terrestrisch über DVB-T sieht, liege mit vier Sekunden zeitlich zwischen den Satelliten-Empfängern.

„Das Sat-SD-Bild ist das schnellste, die Reihenfolge danach hängt jedoch von den Betreibern ab“, sagt Bittel. Das betrifft vor allem das Kabelfernsehen-Publikum. Auch hier jubeln die HD-Zuschauer später als die, die aufs SD-Programm zurückgreifen. Da die Kabelnetzbetreiber das Signal, das ARD und ZDF zur Verfügung stellen, mitunter selbst weiterverarbeiten, kann es zu Verzögerungen kommen. Für Zuschauer in abgelegenen Gebieten wird das Signal zunächst zu einem Satelliten geschickt und anschließend in das lokale Netz eingespeist. Dabei geht etwa eine weitere Viertelsekunde verloren. Für Kabel-HD-Zuschauer summiert sich das zu einer Live-Bild-Verzögerung zwischen sieben und neun Sekunden. (tx/sib)

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