Warum man die Sportfreunde Stiller gut finden muss

Am 2. Juni 2000 hatten die Fans der Sportfreunde Stiller im Kasseler Club Spot ein bisschen Angst um Bassist Rüdiger Linhof. Mit seinem Instrument kletterte er auf die meterhohen Lautsprecherboxen, sprang hinunter und spielte anschließend weiter, als sei nichts gewesen.

Sechs Jahre später wurde es richtig gefährlich für Linhof, Sänger Peter Brugger und Schlagzeuger Florian Weber. Ihr Lied „‘54, ‘74, ‘90, 2006“ wurde der Hit zur Fußball-WM. Das Münchner Trio trat mit der Nationalmannschaft auf der Berliner Fan-Meile auf und stand auf einmal in den Charts auf Platz eins. Für Linhof hat sich damals „alles auf den Kopf gestellt“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: Aus der „coolen Indieband“, die den Gitarrenrock von Tocotronic mit der Spaß-Attitüde der Ärzte verband, wurde „plötzlich die totale Mainstreamband“. Die neuen Erwartungen hätten die Band fast zerrissen, gesteht Linhof.

Doch die Sportfreunde Stiller, die sich nach ihrem ehemaligen Fußballtrainer Hans Stiller vom Münchner Vorortclub SV Germering benannt haben, gibt es immer noch. Gerade ist ihr sechstes Studioalbum erschienen - das erste nach sechs Jahren.

In dieser Zeit hatten sie zu knabbern an ihrem Triumph. 2007 gab es zwar noch mal ein Nummer-eins-Album, aber die gebuchten Hallen kriegte das Trio nicht mehr voll. Danach nahmen die Musiker ein Unplugged-Album in New York auf und standen mit Udo Jürgens auf der Bühne. Zwei von ihnen gründeten Familien. Weber schrieb einen Roman, Brugger gründete einen Innenstadt-Club und Linhof ein Musikstudio, in dem er die CD der tollen Wiener HipHopperin Fiva produzierte.

Über das neue Album „New York, Rio, Rosenheim“ sagt er, dass „wir zu unseren Wurzeln zurückgekehrt sind und uns doch weiterentwickelt haben“ - was man halt so sagt, wenn man neue Musik veröffentlicht. Man kann trotzdem nicht anders, als die zwölf neuen Songs gut zu finden. Sie klingen immer noch wie ein Sommer-Ausflug an den Starnberger See und machen gute Laune. Brugger singt weiterhin sympathisch unbeholfen und reimt Herz auf Schmerz, aber ohne dass es peinlich wirkt.

Stadion-Hymnen mit eingängigen Refrains treffen auf Streicher. Nur ganz selten wird experimentiert wie in der schrägen Electro-Nummer „Let’s Did It“, die an Deichkind erinnert. Es kann eben auch schön sein, wenn sich eine Band über die Jahre nicht groß weiterentwickelt. Sorgen muss man wegen der Sportfreunde nicht haben. Ihr Titelsong ist ein Plädoyer dafür, sich nicht ständig Angst machen zu lassen. „Wir glauben an das Gute im Menschen“, sagt Linhof.

Sportfreunde Stiller: New York, Rio, Rosenheim (Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Die Sportfreunde Stiller spielen auf dem Eschweger Festival Open Flair, 8. bis 11. August. Tickets: www.open-flair.de

Die Sportfreunde Stiller laufen heute auch bei Radio HNA.

Von Matthias Lohr

 

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