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Ein Ausflug in eine andere Welt

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Nomadenkultur in Kassel: Das Yakhaar-Zelt aus „Water System Refuge #3“ von Cao Minghao & Chen Jianjun auf der Karlswiese.
Nomadenkultur in Kassel: Das Yakhaar-Zelt aus „Water System Refuge #3“ von Cao Minghao & Chen Jianjun auf der Karlswiese. © Andreas Fischer

Wenn man von der Karlswiese an einem heißen Augusttag in das Zelt aus Yakhaar vor der Orangerie kommt, fühlt es sich an, als ob man eine andere Welt betritt.

Das Zelt kommt aus Nomadenkulturen, die die mobilen Behausungen sowohl als Unterschlupf als auch zur Verwaltung verwenden. Zuerst sind da die Geräusche der Ventilatoren, ohne die man die drückende Hitze im Zelt nur schwer aushalten würde. Man setzt sich auf eine der Bänke im spärlich belichteten Raum und schaut auf einen großen Fernseher. In einem Film bepflanzen Farmarbeiter im ländlichen China mit traditionellen Methoden ein Feld, zum Beispiel indem sie eine Palette als Pflug über den Boden ziehen.

Das chinesische Künstlerduo Cao Minghao und Chen Jianjun aus Chengdu erforscht in seiner Langzeitstudie „Water System Refuge #3“ Wassersysteme wie Flüsse und ihre Abzweigungen an beispielhaften Orten.

Auch kleinste Details können laut den Künstlern dabei ein System stark verändern und wichtige Ergebnisse für Wassersysteme überall auf der Welt liefern. In ihrem Projekt suchen sie Lösungen für das übergreifende Wasserproblem, indem sie Forschungsergebnisse und Kommunikation mit lokalen Gruppen in einem Kunstprojekt verbinden. Es geht vor allem um die Veränderungen der ökologischen Umwelt und ihre Auswirkungen auf das soziale und kulturelle Zusammenleben der Menschen, die im Umfeld der Wassersysteme leben und damit zum Beispiel in der Landwirtschaft arbeiten. Hauptprobleme sind oft Wasserknappheit durch veränderte Flussläufe und die Aufarbeitung trockenen Bodens.

Auch weil der Film größtenteils unkommentierte Bilder zeigt, wie Samen auf trockenem Boden auf Feldern vor der endlos weiten Steppe der Provinz Sichuan in China verteilt werden, konzentriert man sich auf die eigene Umwelt: Die Ventilatoren haben die Hitze mittlerweile erträglich gemacht und sie gehört genauso zum Ambiente wie der leichte Yak- und Heugeruch oder die friedlich wirkende Flötenmusik zum Film. Diese Sinneseindrücke ziehen Beobachter noch mehr in das Thema. Man sieht, wie traditionelle Praktiken angewandt werden, um in einer sich immer verändernden Umwelt auch weiterhin normal anbauen zu können. Zum Beispiel wird im Film eine Yak-Herde über die Felder geschickt, um den Boden zu düngen. Die Moral des Films: Der Mensch hat durch Gier und Dummheit das ökologische System zerstört und nur durch Traditionen kann das Schlimmste noch abgewandt werden.

In starkem Kontrast dazu findet man den weiteren Teil der Arbeit in der Hafenstraße 76 vor: Videoinstallationen laufen in einem abgedunkelten, weiten Raum, der auch aufgrund der weißen Wände kalt wirkt.

Video als Medium: Installationen in der Hafenstraße.
Video als Medium: Installationen in der Hafenstraße. © Fischer, Andreas

In einer Installation wird eine Gruppe Farmer dabei gezeigt, wie sie ein Strohhaus bauen, in dem sie mit traditionellem Tanz und Trommeln versucht, den Yinman-Fluss zu besänftigen. Die Bewohner hoffen, dass das für eine reibungslose Ernte sorgt.

Eines der eindrucksvollsten Bilder der Ausstellung ist ein großes Boot aus Holz, das in Videos und auf Fotos durch die gesamte Ausstellung immer wiederkehrt. Minghao und Jianju starteten mit dem verlassen vorgefundenen Kahn ein Projekt, in dem alte Boote aufbereitet werden. Es soll eine innovative Verbindung von Menschen und einem Wassersystem zeigen, da an jedem Stop Menschen aus verschiedenen Wassersystemen ihr Wissen austauschen sollen. Das wird nur leider wenig beleuchtet.

Water System Museum: Ein Boot als interaktives Erlebnis.
Water System Museum: Ein Boot als interaktives Erlebnis. © Fischer, Andreas

Der Standort der Studie in China ist bemerkenswert, da er sich nach dem Sichuan-Erdbeben 2008 stark verändert hat, aber auch, weil sich China durch seine Rolle als eine der führenden Industrienationen Gedanken um die Wasserkonservierung machen muss.

Wasserknappheit wird gravierender, aber auch der Zustand des Wassers spielt eine wichtige Rolle, die „Water System Refuge #3“ deutlich macht.

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