Von wegen tote Hose: Die Jogginghose ist besser als ihr Ruf

Ein Fan der Jogginghose: Komiker Oliver Polak. Foto: nh

Eine schwäbische Schule will ihren Schülern die Jogginghose verbieten. Was für ein Unsinn: Nur weil etwas dämlich aussehen mag, muss es nicht verboten werden. Wir retten die Jogginghose.

Vor 22 Jahren sprach der US-Komiker Jerry Seinfeld das Todesurteil über die Jogginghose. In der Sitcom „Seinfeld“ sagte er zu seinem Kumpel: „Weißt du, was du der Welt mit deiner Jogginghose signalisierst? Du sagst: Ich gebe auf. Ich kann nicht mehr mit der Gesellschaft mithalten. Ich bin erbärmlich.“

Nun will die Glemstalschule im schwäbischen Schwieberdingen das Kleidungsstück tatsächlich zur toten Hose machen. Auch Kapuzenpullis stellt die Schulleiterin auf den Prüfstand. Ihr geht es nicht nur um die Kleidung, sondern auch um die damit verbundene Haltung. Müssten angesichts der vielen Wirtschaftsverbrechen dann nicht auch Nadelstreifen verboten werden?

Die Debatte ist ein Beispiel für eine völlig übertriebene Verboteritis hierzulande. Selbst wenn etwas dämlich aussehen mag, muss man es noch lang nicht verbieten. Es ist Zeit, sich locker zu machen, denn die Jogginghose ist besser als ihr Ruf.

In England heißt sie „fatman trousers“, weil man in ihr große Körpermassen verstecken kann. Und in Deutschland erlangte sie traurige Berühmtheit, als 1992 ein Rassist in vollgepinkelter Jogginghose vor dem brennende Asylheim in Rostock-Lichtenhagen den Hitler-Gruß machte. Wer sie trägt, sagte der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, "hat die Kontrolle über sein Leben verloren".

Der jüdische Komiker Oliver Polak trägt sie trotzdem täglich - auf der Bühne, in der Synagoge und im Hipster-Club, weil sie „einfach superbequem“ ist, wie er sagt. Popstars wie Madonna gehen mit ihr zum Einkaufen. Sogar US-Präsident Barack Obama trägt sie. Und Star-Designer wie Giorgio Armani machten sie sogar auf dem Laufsteg salonfähig.

Für Polak hat die Jogginghose keine Botschaft, wobei genau das die Nachricht ist: Der Mensch sollte wichtiger sein als die Kleidung. Den Satz könnten sicher auch die schwäbischen Schulspießer unterschreiben. Vielleicht machen sie es sich sogar am 21. Januar 2016 bequem. Dann ist wieder Internationaler Tag der Jogginghose.

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