Weggang, aber kein Abschied von Kassel: Dirigent Gamzou über seine Pläne

Abschied als Erster Kapellmeister: Dirigent Yoel Gamzou. Foto: Schachtschneider

Kassel. Nach drei Jahren hat Yoel Gamzou seine Tätigkeit als Erster Kapellmeister am Staatstheater beendet. Eine intensive Zeit für das Kasseler Publikum wie für Gamzou selbst.

In diese Zeit fielen herausragende Konzertereignisse wie die Aufführung der von Gamzou vervollständigten 10. Sinfonie von Gustav Mahler sowie inspirierende Opernabende. Das Ende seiner Kapellmeister-Tätigkeit bedeutet jedoch keinen Abschied von Kassel, betont der 28-Jährige im Gespräch mit der HNA.

Yoel Gamzou

über seine Pläne für Kassel: 

„Es ist mir sehr wichtig zu sagen, dass meine Verbindung mit dem Kasseler Publikum nicht von meiner Stellung am Staatstheater abhängt. Ich habe hier menschliche und musikalische Erfahrungen gemacht, die für mich extrem wertvoll sind. Deshalb werde ich das nicht in eine Kiste packen, sondern ich will meine Beziehung zu Kassel weiterentwickeln, allerdings zum Teil mit anderen Orchestern.

In der kommenden Saison werde ich vier Konzerte in Kassel dirigieren. Neben dem Sinfoniekonzert mit dem Staatsorchester am 11. Januar wird es zwei Konzerte mit meinem International Mahler Orchestra und eines mit der Neuen Philharmonie München geben.“ (siehe Übersicht)

... über sonstige Pläne: 

„Ich werde wieder freiberuflich arbeiten. Mehrere Projekte stehen mit den Stuttgarter Philharmonikern an, außerdem mit der Neuen Philharmonie München, den Belgrader Philharmonikern, dem DSO Berlin und der Jenaer Philharmonie. Vor allem aber wird ein großer Schwerpunkt das International Mahler-Orchestra (IMO) sein, das wir als professionellen Klangköper festigen wollen. Wir wollen ein zusätzliches Orchestermodell neben den Traditionsorchestern entwickeln, das inhaltlich, strukturell und finanziell flexibler ist.“

... über sein künstlerisches Anliegen dabei: 

„Wir fragen uns beim IMO, für wen spielen wir? Wir wollen das Publikum nicht erziehen, sondern suchen einen Austausch mit den Zuhörern. Da wir großen Wert auf die Individualität der Musiker legen, suchen wir einen Austausch von Individuum zu Individuum. Und die Erfahrung ist: Die Zuhörer sind mit den Musikern zusammen bereit, ungewöhnlich Erfahrungen zu machen. Das hat sich besonders in Kassel gezeigt, wo das Publikum auch für Musik abseits des Mainstreams, zum Beispiel von Furtwängler oder Lampson, aufgeschlossen war.“

... über seine Kasseler Erfahrungen: 

„Das waren drei Jahre kompakter Lebensunterricht mit sehr vielen sehr schönen, aber auch einigen sehr schmerzhaften Erfahrungen. Ich habe ein tolles Orchester und tolle Menschen kennengelernt und viele Erfahrungen mit der Oper gesammelt. Und ich durfte die ,Fledermaus‘ dirigieren - mein großer Traum.“

Die Konzerte

28./29.11., Südflügel des Kulturbahnhofs: Konzert des International Mahler Orchestra: Debussy: „Prélude à l’après-midi d’un faune“, Mendelssohn: Streichoktett, Frank Zappa: Stücke aus „Yellow Shark“ für Kammerorchester, Janáek: „Mladi“ für Bläsersextett, Copland: „Appalachian Spring“ für Kammerorchester und zwei Tänzerinnen. Leitung: Yoel Gamzou, Tanz: Natalie Farkas, Ann-Christin Zimmermann

11.1.2016, Stadthalle: Sinfoniekonzert des Staatsorchesters, Leitung Yoel Gamzou: Enescu: Rumänische Rhapsodie Nr. 1, Schulhoff: Sinfonie Nr. 1, Furtwängler: Ouvertüre Es-Dur, Hartmann: 3. Sinfonie

13.3.2016, Stadthalle: Neue Philharmonie München: Michael G. Scholl: Cellokonzert, Mahler: 9. Sinfonie. Leitung: Yoel Gamzou

Mai 2016, Südflügel: International Mahler Orchestra: Bartók, Elgar.

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