Zum Tag der Einheit: Wieso ein Designer eine neue Deutschland-Fahne entworfen hat

Es weht jetzt aufwärts

Dynamisch und sympathischer: So soll die neue Deutschland-Fahne mit EU-Sternenkranz sein, die der Ansbacher Design-Dozent Johannes Hoyer entworfen hat. Fotos: Hochschule Ansbach

Über Johannes Hoyer sagt man, er habe eine Fahne. Der Design-Dozent von der Hochschule Ansbach hat eine neue Deutschland-Flagge entworfen - immer noch in Schwarz, Rot und Gold, aber die Farben sind nun in einem Kreisbogen angeordnet, und links oben prangt der Sternenkranz der Europäischen Union.

Im Internet findet man zahlreiche Stimmen, die das für eine Schnapsidee halten, und sie sind manchmal so formuliert, als wären einige Glas Bier im Spiel gewesen. Nüchtern betrachtet lohnt es sich aber, über Hoyers Vorschlag nachzudenken.

Alles begann mit dem kollektiven Rausch während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Hoyer sah die vielen Deutschland-Fahnen an den Autos und beim Public Viewing und fragte sich, warum er dieses Schwarz-Rot-Gold schon immer „so unattraktiv“ fand.

Erdigere Farben im Kreis

Den 42-Jährigen störten vor allem zwei Dinge: Zum einen ist der schwere schwarze Balken entgegen der Logik oben angeordnet und erdrückt die leichteren Farben. Zum anderen gefielen ihm die Farben nicht. Hoyers Ansicht nach verbindet man mit dem kräftigen Schwarz Grübeln und Pessimismus. Für seine Flagge mischte er die Farben etwas erdiger. Der Franke findet sie nun „harmonischer untereinander und sympathischer“.

Und dann dachte der Designer, der sich ansonsten um Produkte wie Bürostellwände und Stifte kümmert, über sein Land nach. Als die schwarz-rot-goldenen Balken nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zur Nationalflagge wurden, war Deutschland ein „Trümmerhaufen“. Mittlerweile ist es „eine der hochentwickeltsten Nationen der Welt“. Deshalb machte er aus den waagerechten Streifen einen dynamisch aufstrebenden Teilkreis, der zugleich offen ist - etwa für die EU, deshalb der Sternenkranz.

Nachdem eine Lokalzeitung seinen Vorschlag publik machte, bekam Hoyer viele Mails. Einige Schreiber fragten, ob er nichts Wichtigeres zu tun hätte. Einige wollten die Fahne aber auch kaufen. Derzeit verhandelt Hoyer mit Produzenten. Und bei einer Online-Umfrage des bayerischen Rundfunks, zogen immerhin knapp 30 Prozent seinen Halbkreis der alten Flagge vor. Hoyer findet, das sei kein schlechter Wert für das konservative Bayern.

Demnächst will er seinen Vorschlag an den Bundespräsidenten Christian Wulff senden. Eine Flaggen-Revolution wird es wohl trotzdem nicht geben. Das alte Schwarz-Rot-Gold hat eine zu lange Geschichte, die vom Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen über das Hambacher Fest bis heute reicht. Hoyer indes träumt schon von einer ganz anderen Fahne. Sie wäre die perfekte Deutschland-Flagge, silber wie die Berge, grün wie die Wälder und Wiesen, blau wie das Meer und gelb wie die Sonne.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.