Die Weihnachtsgeschichte heute: Der Heiland ist bei Facebook

Maria und Josef gibt es auch im Netz: Die Facebook-Seite von „Maria von Nazaret“ (unten) und der Twitter-Account von „@joseph_von_naza“. Hinter den fiktiven Namen verbergen sich echte Nutzer.

Bethlehem live: Wir erzählen die Weihnachtsgeschichte nicht ganz ernst gemeint, aber so, wie sie sich heute abspielen könnte.

• Die Pläne von Kaiser Augustus für eine Volkszählung stoßen bei den Datenschützern im ganzen Land auf erhebliche Kritik. Grüne und Piraten rufen zum Boykott auf. Das von Kaiser Augustus angerufene Gericht weist die Beschwerden in einem Eilverfahren zurück.

• Der Schreiner Josef erfährt von dem Aufruf über den Kurzmitteilungsdienst Twitter, als er bei einer Gewerkschaftskundgebung in Nazareth für die Einführung des Mindestlohns protestiert. Die Handwerker-Gewerkschaft in Judäa hatte zum Streik aufgerufen. Über Google Maps sucht Josef die kürzeste Strecke nach Bethlehem. Denn jeder muss sich in seinem Geburtsort zählen lassen.

Die Weihnachtsgeschichte 2.0 als Video gibt es bei Youtube

• Josef, der selbst kein Auto hat, steckt im Dilemma: Die Bahn musste zahlreiche Verbindungen im Weihnachtsverkehr streichen, weil die Klimaanlagen in den ICE-Zügen nicht funktionieren. Zudem sind einige Weichen eingefroren. Auch über die Mitfahrzentrale findet Josef kein Angebot. Mit seiner hochschwangeren Frau Maria macht er sich per Esel auf den Weg.

• Mit Einbruch der Dunkelheit kommt das Paar in Bethlehem an. Als Josef ein Zimmer über die App des Hotelportals buchen will, geht sein iPhone aus – der Akku ist leer. Er verflucht Apple, weil man die Batterie nicht wechseln kann. Josef weiß, dass es schwer wird, Asyl zu finden. Vor einigen Jahren hatte ein konservativer Ministerpräsident mit einer Unterschriftenkampagne Stimmung gegen Fremde gemacht. Ein Wirt bietet ihnen an, in seinem Stall zu übernachten.

• Noch in der Nacht bringt Maria ihr Baby auf die Welt. Es soll Jesus heißen, hatte ihr ein Engel im Traum gesagt. Josef hat bei der Namenswahl kein Mitspracherecht, er ist ja nicht der Vater. Sein Handy-Akku hat er wieder aufgeladen. Er richtet bei Facebook einen Account für Jesus ein – mit seinem Foto des Babys in der Krippe. Die Familienministerin kündigt derweil den Ausbau von Krippenplätzen für alle unter Dreijährigen an.

• Einige Hirten erschrecken sich am Lagerfeuer. Ein halbes Dutzend Rocker der Hells Angels rasen mit ihren Maschinen auf sie zu. Die Hirten befürchten das Schlimmste, doch die Engel aus der Hölle wollen ihnen nur verkünden, dass der Heiland geboren ist.

• Auch die Heiligen drei Könige erfahren von der Nachricht. Sie haben jedoch keine passenden Geschenke. Wie gut, dass Balthasar Amazon-Prime-Kunde ist. Bei dem Versandhändler bestellen sie eine Großpackung Gold, Weihrauch und Myrrhe. Amazon liefert sofort per Drohne aus.

• Josef filmt mit dem Smartphone, wie die Heiligen drei Könige ihre Geschenke neben Jesu Krippe legen. Anschließend unterlegt er den Clip mit dem Lied „Der Heiland ist geboren“ und lädt ihn bei Youtube hoch. Nie zuvor wurde ein Film in einer Stunde so oft angeklickt. In Deutschland sehen die Nutzer nur einen schwarzen Bildschirm mit dem Satz: „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es Musik enthält, für die die Rechte von der Gema nicht eingeräumt wurden.“

Von Matthias Lohr

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