„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Weihnachtsmärchen des Staatstheaters: Auf der Jagd nach dem Prinzen

+
Als junger Jäger verkleidet: Sabrina Ceesay als Aschenbrödel.

Kassel. Als Weihnachtsstück zeigt das Kasseler Staatstheater im Opernhaus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von Uli Jäckle nach dem CSSR/DDR-Filmklassiker aus dem Jahr 1973.

„Haben Sie nicht etwas vergessen“, fragt die verschleierte Ballschönheit den Prinzen, der im Taumel des Tanzes frisch verknallt beschlossen hat, dieses unbekannte Mädchen unbedingt zur Frau zu nehmen. Doch kommt er in seinem Gefühlsüberschwang gar nicht darauf, die zierliche Person im silbrigen Traumkleid nach ihrem Wunsch zu fragen. Und schon rennt Aschenbrödel weg und verliert den Tanzschuh. Mit den bekannten Folgen aus dem Märchen und bis hin zum final-erlösenden Kuss.

Patrick Schlösser erschafft eine quirlig-bunte Inszenierung, die zugleich ganz auf den romantischen Zauber des Filmmärchens setzt. Dafür gab es bei der Premiere im ausverkauften Opernhaus am Mittwoch viel Jubel vom Publikum im Grundschulalter.

Aschenbrödel (bezaubernd: Sabrina Ceesay) wird auf dem Gutshof von ihrer Stiefmutter (Sabine Wackernagel im exzentrischen Diven-Stil) und ihrer Stiefschwester Dora (schön zickig: Elisabeth Hütter) nur mit den schmutzigsten Arbeiten betraut. Trost sind ihr der Schimmel Nikolaus, Eule Rosalie und die weißen Täubchen. Mit beiden Händen halten Schauspieler die künstlichen Vögel, lassen sie vor einem Fenster und über dem Linsenteller flattern, der sortiert werden muss. Ein hübsch poetisches Bild.

Dem Prinzen (Jon Kiriac in jugendlichem Überschwang) begegnet Aschenbrödel lang vor dem besagten Ball im Winterwald. Einmal kommt es gar zum Wettstreit im Armbrustschießen, wo das Aschenbrödel in süßer Jagdverkleidung (Ausstattung: Beatrice von Bomhard) souverän absahnt.

Auf der leeren Bühne öffnen sich fortwährend andere Türchen mit den diversen Spielszenen, die Küche mit drei Hühnchen am Drehspieß wird von unten heraufgefahren. Das lustig-überzeichnete Treiben auf dem Gutshof und bei Königs privat erinnert an Comicszenen, besonders wenn die Figuren im Vordergrund erstarren und sich die Handlung hinten abspielt. Hieraus ergeben sich aber auch die Schwächen der Inszenierung: Wenn nämlich für das Schneegefühl auf die Bühnenwände echte Filmausschnitte projiziert werden, ist - wie man an den Reaktionen der jungen Besucher merkt - die Kraft der Bühnenkunst sofort geschwächt. Überflüssigerweise. So tief muss man sich vor dem Film nun auch nicht verbeugen, zumal die Kostüme schon bis ins Detail nachgemacht sind. Irritierend ist ferner die Erzählerrolle Aljoscha Langels, der jede Regung auf der Bühne in Worte fasst („Der Prinz schaut etwas eingeschüchtert zurück“). Auch das macht das Theatererlebnis weniger unmittelbar.

Toll ist wiederum die Live-Musik von Thorsten Drückers Band, die den Flötenzauber der Filmmusik nachempfindet. Beschwingend.

Karten: 0561-1094-222, Schulklassen: 1094-271.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.