Jan Weilers „Berichte aus dem Christstollen“ im Theaterstübchen

Jan Weiler Foto: Zgoll

Kassel. Den größten Lacher erntete Jan Weiler bei seinen „Berichten aus dem Christstollen“ am Donnerstagabend im rappelvollen Theaterstübchen mit einem Scherz des Kollegen Harry Rowohlt.

Der empfiehlt, wenn im Zug Telefonate des Nachbarn nerven, laut in den Hörer zu sagen: „Komm zurück ins Bett, mir ist kalt.“

Sich mit fremden Federn zu schmücken, hat der Kolumnist („Mein Leben als Mensch“) und Buchautor („Maria, ihm schmeckt’s nicht“) zwar nicht nötig. Es passte nur gerade so gut – Weiler fährt oft Zug, in dieser Jahreszeit mit Geschenken bepackt, von Lesung zu Lesung und Weihnachtsmarkt zu -markt (schrecklich: „Hotsprizz“ in Heilbronn, weißer Glühwein mit Aperol). Im Zug telefonieren muss er, obwohl er es hasst, um die 15-jährige Tochter, das „Pubertier“, für ihr Referat zu motivieren. Nur um am Laptop im Abteil schon mal selbst loszulegen.

Weiler liest grandios. Und erzählt – was spontan wirkt, selbst wenn es gut eingeübt sein sollte. Weihnachtszeit verstand der 47-Jährige im umfassenden Sinne – vom Moment, in dem in Stahltanks in Tschechien mit Abwasser aus Fuku-shima Glühwein angesetzt wird, bis zur Diät nach dem Fest. Es ging um den Nikolaus in der Kita (mit spontan vertauschten Päckchen), Geschenkgutscheine (der italienische Schwiegervater Antonio zur Kosmetik in „Heidis Beautyworld“) und gute Vorsätze: „Meine Frau hat sich vorgenommen, dass ich mich ändere.“ Eine „Bastel-Null“ beim Laternenbau zu St. Martin dürfte er bleiben.

Weiler ist ein exzellenter Beobachter, bloß bei Esoteriker-Schwager Jürgen wurde es unglaubwürdig-klischeehaft. Auch dem „mitgeschleppten Ehemann“ dürfte es gefallen haben. Weiler fand es „rasend nett“ im Theaterstübchen, „das ist nicht überall gleich, das kann ich Ihnen sagen.“

Den mindestens zweitgrößten Lacher bekam er für die Schilderung des Aufstands inklusive Elternabend, nachdem seine Tochter im katholischen Kindergarten ein Kind geschubst hatte – mit den Worten: „Mach Platz für Satan!“

Von Mark-Christian von Busse

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