Wein, Weib und Gesang

ClickClickDecker im Schlachthof

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Hier hat unsere Fotografin Klick gemacht: Kevin Hamann (vorn) und Oliver Stangl von ClickClickDecker im Schlachthof.

Kassel. Eine Besonderheit an Kevin Hamann ist, dass er Rotwein trinkt. Mit seiner Band ClickClickDecker spielt der Hamburger Indie-Singer-Songwriter-Pop, wie ihn viele junge Männer machen.

Wenn die dann auf der Konzertbühne stehen, halten sie sich zwischen den Liedern an ihren Bierflaschen fest. Das ist eine ungeschriebene Regel im Popbetrieb. Doch Hamann trank beim Auftritt im Kasseler Schlachthof Rotwein. Und zwar so viel, dass er irgendwann fragte: „Können wir noch ’ne Flasche haben?“ Für die 120 Besucher im vollen Kulturzentrum war es ein feuchtfröhlicher Abend, der von dem Berliner Ein-Mann-Projekt Petula eröffnet wurde. Ganz nüchtern betrachtet ist Hamann nicht nur wegen der Getränkewahl ein besonderer Künstler. Er schreibt herrlich schlichte Texte über Mädchen, denen Jungs hinterherweinen, und den Alltag. Man möchte sie auf Häuserwände sprühen. Am Donnerstag reichte es erst einmal, dass die Sätze von allen mitgesungen wurden.

Zum Beispiel der hier: „Wenn man immer nur zurückschaut, ist irgendwann nichts mehr da.“ Oder der: „Das Alter zieht seinen Schlitten mitten durch dein Gesicht.“ Und auch dieser: „Kein Satz wird dadurch besser, dass du ihn ständig wiederholst.“

Live kommt diese Prosa wuchtiger und abwechslungsreicher daher. Oliver Stangl, der das bisherige Ein-Mann-Projekt zum Duo erweitert hat, spielt dazu auf der Steel-Gitarre countryeske Melodien. Oft erinnert der Sound an die frühen Kettcar. Und manchmal schreit Hamann seine Sätze auch wie der Sänger einer Emo-Band. Der 33-Jährige ist vielseitig, kommt aus dem Hardcore und macht als Bratze auch krachigen Elektropunk.

Wenn Hamann zwischen den Songs nicht trinkt, erzählt er, wie er mit seinen Kollegen am Vorabend in Hannover gefeiert hat: „Deshalb sehen wir so müde und aufgedunsen aus.“ Und als er sich nach eineinhalb Stunden bei der Zugabe verspielt und das Stück abbrechen muss, klatscht das Publikum auch dafür. Saufen kann sehr sympathisch sein.

Aktuelles Album: „Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles“ (Audiolith).

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