Der kanadische Gitarrist Wolf Mail und seine Band glänzten mit hoher Spielkunst im Theaterstübchen

Weisheit, die im Blues wohnt

Brachte Blues-Freunde zum Staunen: Wolf Mail. Foto: Schoelzchen

Kassel. Da staunte der fachkundige Bluesliebhaber aber nicht schlecht. „Eine 55er Fender Telecaster, Wahnsinn!“ Tatsächlich, der kanadische Gitarrist Wolf Mail tourt mit diesem sechssaitigen Kronjuwel und einem russischen Trio über den Globus und präsentierte bei seinem Konzert im Theaterstübchen ein schwungvolles Update der über hundert Jahre alten Musikform des Blues.

Dabei sorgten wenige Besucher für viel Stimmung und wurden mit vollem Engagement und Einsatz seitens der Band belohnt. Und Mail ist ein echter Sonnyboy. Selbst bei seinen Balladen meidet er den Blick in die melancholische Bedienungsanleitung und hält das Vokabular des Weltschmerzes unter Verschluss.

Er shuffelt seine Emotionalität mit forschen Rhythmen und viel Soul ins Rampenlicht, lädt ein zu einem fröhlichen Blues-Barbecue und schmeißt dabei saftige Gitarrenriffs und leidenschaftliche Gesangseinlagen auf den Grill, dass es nur so raucht. Gary Moore lässt grüßen, und man sieht förmlich Elmore James im Schaukelstuhl auf der Veranda sitzen und zufrieden lächeln.

Und die russischen Kollegen klangen, als ob sie sich in ihrer Jugend lieber mit geschmuggeltem Whiskey und Stevie Ray Vaughan beschäftigten als mit Wodka und Kalinka. Ihre Körpersprache allerdings verriet ihren großen Respekt vor der Kunst der Improvisation, des lockeren Lebenswandels und der Coolness westlicher Prägung.

All das symbolisiert Mail, ohne zu protzen. Man ist fasziniert, ohne überrascht zu werden. Fühlt sich wohl, ohne zu analytischen Betrachtungen gezwungen zu werden. Einfach nur gute Musik für einen schönen Moment, ein paar entspannte Stunden, einen Abend zum Genießen. Vielleicht so etwas wie die Empfindung von Ursprünglichkeit. Von der Weisheit, die dem Blues innewohnt. Viel Applaus.

Von Andreas Köthe

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