Das Schmuckmuseum Pforzheim mit der Schau „Serpentina“

Weisheit und List

Edel: Brustschmuck „Schlangen“ von René Lalique (Gold, Email) aus Paris, 1898/99. Fotos: Schmuckmuseum

Pforzheim. Das Schmuckmuseum von Pforzheim ist mit seinen Kleinodien aus 6000 Jahren das bedeutendste der Welt. Es residiert in dem von Manfred Lehmbruck entworfenen Reuchlinhaus, das 1961 eröffnet wurde. Das im International Style aus vier Kuben um ein quadratisches Foyer gestaltete Bauwerk gehört zu den Meisterleistungen der deutschen Nachkriegsarchitektur.

Das Schmuckmuseum feiert den 50. Jahrestag seines Einzugs mit einer prachtvollen Sonderausstellung, die der langjährige Leiter Fritz Falk kenntnisreich eingerichtet hat. Sie präsentiert anhand von 140 Kostbarkeiten aus 3000 Jahren die Schlange im Schmuck der Welt. Falk reizte die Bedeutungsvielfalt der Schlange. Sie windet sich im Zeichen von Weisheit und List, aber auch von Sünde und Versuchung. Sie verheißt Schutz und Heilkraft - und droht mit Unheil und Tod. Der Uroboros schließlich, die sich in den Schwanz beißende Schlange, versinnbildlicht Ewigkeit, Erneuerung und immer währende Liebe.

Auf einer Zeit- und Weltreise macht der Besucher Station in Indien, Afrika und Amerika. Schlangenförmige Halsketten, Armreife und Ringe aus der Antike versetzen in mythologische Gefilde. In den Achat eines Goldrings (1.-2. Jh. n. Chr.) ist das von Schlangenhaar umringelte Haupt der Medusa geschnitten. Es sollte Unheil abwehren. Diese Aufgabe hatte auch der aus Gold und einem Granat gefertigte Schlangenarmreif mit Heraklesknoten (3.-2. Jh. v. Chr.). Das Motiv geht zurück auf die Sage, Herakles habe zwei ihm von der Göttermutter Hera in die Wiege gelegte Schlangen erwürgt.

Die verführerischsten Schlangen aber kommen aus Paris. Falk erklärt: „René Lalique war der phantasievollste, kreativste und erfolgreichste Schmuckkünstler seiner Zeit.“ Eines seiner berühmtesten Kunststücke ist ausgestellt: Der aus Gold und Email 1898/99 geschaffene Brustschmuck (Devant le Corsage) aus neun raffiniert verknoteten Schlangen, die ihre goldenen Mäuler weit aufgesperrt haben. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der vom Maler und Plakatgestalter Alphonse Mucha für die Schauspielerin Sarah Bernhardt entworfene Schlangenarmreif, der mittels eines Goldkettchens mit einem schlangenförmigen Fingerring verbunden ist.

Bis 26.2,. Schmuckmuseum Pforzheim, Jahnstr. 42. Tel. 07231-392126, www.schmuckmuseum.de. Begleitbuch (Arnoldscher Verlag): 49,90 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.