Ein Weißer singt den Blues: Mitch Ryder und Band in Kassel

Starke Ausstrahlung: Mitch Ryder. Foto: Schachtschneider

Kassel. Seine Band spielte schon die ersten Töne von „It’s Alright“ und plötzlich erschien er fast schemenhaft wie ein Geist auf der Bühne, er, auf den alle Besucher des ausverkauften Clubs in der Jordanstraße gewartet hatten: William S. Levise jr., besser bekannt als Mitch Ryder.

Der 69-jährige Soul-, Rock- und Bluessänger mit Hut und dunkler Sonnenbrille, von kleiner Gestalt, sich zeitlupenhaft bewegend, überzeugte mit seiner immer noch kräftigen und exakt intonierenden Stimme sowie einer starken Ausstrahlung, die sogar Fans aus dem Ruhrgebiet angelockt hatte.

Im Widerspruch zu seinem Song-Titel „There Ain’t Nobody White Can Sing The Blues“ bewies er mühelos, dass auch ein Weißer durchaus in der Lage sein kann, den Blues zu singen. In erklärenden Ansagen und fast 30 Songs – auf einen lustigen wartete man vergeblich – nahm Ryder kritisch Stellung zu so konträren Themen wie Krieg, Ökonomie, erste Liebe, Sterbehilfe und Selbstmordattentätern: „War“, „The Terrorist“, „Betty’s Too Tight“. Er plauderte auch über seine Bekanntschaft und Saufzüge mit Bob Dylan und Jimi Hendrix, zu beider Ehren gab es als Zugabe „All Along The Watchtower“. Auch den Doors wurde mit einer ultralangen und explosiven Version von „Soul Kitchen“ gehuldigt.

Hervorragend begleitet und verstärkt durch zwei Gastmusiker – besondere Erwähnung verdienen die beiden Gitarristen – wurde Ryder durch die aus der DDR stammende Band Engerling, mit der er inzwischen schon 20 Jahre zusammenarbeitet.

Nach über zweieinhalb Stunden mit mehreren Zugaben endete ein atmosphärisch dichtes und umjubeltes Konzert, wie man es auch im Theaterstübchen nicht alle Tage erleben kann. Nächstes Jahr will Ryder wieder nach Kassel kommen.

Von Wolfgang Wollek

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