Das Minguet Quartett und Jeremias Schwarzer bei den Musiktagen

Für weit geöffnete Ohren

Kassel. Über Eintönigkeit brauchte sich beim dritten Quartettkonzert der Kasseler Musiktage am Dienstag niemand zu beschweren. Es war ein unwiederholbarer Abend mit dem Minguet Quartett und dem Blockflötisten Jeremias Schwarzer, die Musik vom 16. Jahrhundert bis zu einer Uraufführung eines Stücks aus dem Jahr 2011 boten.

Rote Fäden durchzogen das Programm. Da war Ophelia, die unglückliche Geliebte von Shakespeares Hamlet: Neben den „Ophelia-Liedern“ von Johannes Brahms, bearbeitet für Blockflöte und Streichquartett, stand Rolf Riehms „… weeds in Ophelia’s hair“ (Seegras in Ophelias Haar) für Altblockflöte, Geräusch mehr als Musik, gehaucht mehr als geblasen. Fantastisch, wie Schwarzer diese Musik vortrug.

Den roten Faden der Moderne nahm Marco Zdralek auf, dessen langes zehnteiliges Stück „Omnia tempus habent“ (Alles hat seine Zeit) von den fünf Musikern uraufgeführt wurde. Die Stichworte des alttestamentlichen Textes waren die Mottos zu den zehn Sätzen, die ein Panorama des menschlichen Lebens, des Werdens und Vergehens entwarfen, technisch oft, doch gegen Ende - im Wiegenlied und im Schlusssatz, in dem Vogeltrillern und eine aufsteigende Dur-Linie für die Freude standen - von einer versöhnlichen Öffnung.

Zdralek war anwesend und nahm den Beifall des nahezu ausverkauften Ständesaal entgegen. Angereichert wurde der lange erste Teil des Konzerts durch Musik von William Byrd und John Dowland.

Nach der Pause nur noch ein Werk: das c-Moll-Streichquartett op. 51, 1 von Johannes Brahms. Das Minguet Quartett ging es mit origineller Binnenstrukturierung an. Während die beiden äußeren Sätze forciert und vorwärtsdrängend musiziert wurden, gaben das lyrisch-intim gespielte Adagio und das filigran-zerbrechlich herausgearbeitete Allegretto deutlich abweichende Akzente. Eine interessante Interpretation für weit geöffnete Ohren.

Von Johannes Mundry

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