Al McKays Allstars mit Earth, Wind & Fire Experience im Kasseler Kulturzelt

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13 Mann und eine Mission: Al McKays Allstars gastierten mit „Earth, Wind & Fire Experience“ zu einem Doppelkonzert im Kasseler Kulturzelt. Altmeister Al McKay (mit roter Gitarre und Mütze) zählte schon zur Earth, Wind & Fire-Stammbesetzung um Maurice und Verdine White während der 70er-Jahre.

Kassel. Viele von damals schaukelten sich mit dem unverwechselbaren „Weißt du noch ...?“-Lächeln durch den Abend. Viele der damals Halbwüchsigen, die in den 1970ern scharf drauf waren, Kofferradio und Cassettenrekorder endlich gegen eine richtige Stereoanlage zu tauschen.

Und dann die Boxen dem Stresstest mit Earth, Wind & Fire zu unterziehen. Die US-Band war gnadenlos zu den Basslautsprechern durch den Maschinen-Groove ihrer Rhythmusgruppe, gemein zu den Hochtönern mit Falsett-Gesängen. Und dazwischen dann noch, platsch, volle Breitseiten der Bläsertruppe.

Im Kasseler Kulturzelt bewiesen Al McKay, mittlerweile auch schon 63, und seine Allstars am Mittwochabend, dass die Earth, Wind & Fire-Masche immer noch funktioniert: Soul, Funk, Motown, afrikanische Kalimba-Einflüsse – alles zusammengepackt zu Klanglawinen mit teilweise betörenden Harmoniefolgen, die immer musikalisch ambitioniert waren, gleichzeitig extrem partytauglich und damit das Zeug zu Welthits hatten.

„That’s The Way Of The World“, „Shining Star“, „Fantasy“, „September“ - Al McKay, Gitarrist und einer der Hit-Autoren aus den Frühzeiten der Band um Maurice und Verdine White, macht weiter und einfach immer weiter.

Dass er unter dem leicht veränderten Namen The Earth, Wind & Fire Experience segelt, dürfte wohl juristische Gründe haben. Auch die Besetzung wechselt natürlich. Aus der alten Truppe der 70er-Jahre ist neben Mc Kay nur noch Trompeter Michael Harris geblieben. Die Bühnenkostüme sind ebenfalls nicht mehr so hippiebunt wie damals deutsche Wohnzimmertapeten. Längst weggespart sind die hüftwackelnden Showgirls von einst. Die Herren tanzen jetzt selbst.

„Let’s Groove“, „Can’t Let Go“, „After The Love Has Gone“ - in weiten Passagen zitiert diese Musik sich selbst, tongetreu bis in die kurzen Sololäufe der frühen Earth, Wind & Fire-Tage hinein. Ein Publikum, das gerne mal mitsingt, schätzt solche Beständigkeit Dass Al McKays musikalisches Personal durchaus mehr draufhat, durfte zwischendurch Saxofonist Ed Wynne mit einem Solo durchblitzen lassen.

Stärke und zugleich Schwäche solcher Megabands ist ihre schiere Masse, genauer gesagt das, was am Mischpult daraus gemacht wird. Auch The Earth, Wind & Fire Experience schleuderte ab und zu über den schmalen Grat vom fetten Sound zum Lärmgewitter, in dem der eigentlich tragende Gesang von Devere Duckett, Tim Owens und Claude Woods oder die Bläsersätze von Stephen Reid, Michael Harris, Justin Kirk und Ed Wynne ziemlich untergingen.

Trotzdem: Ein toller Abend für Earth, Wind & Fire-Fans - auch wenn die Musik unnötig laut war. Aber darüber haben damals schon unsere Eltern gemeckert.

Von Wolfgang Riek

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