Weiterhin auf großer Fahrt: Santiano und ihre Seemannslieder

Es muss eine Menge Alkohol im Spiel gewesen sein, als die Geschichte der Band Santiano im Oktober vorigen Jahres begann. Die Gitarristen Björn Both (47) und Andreas Fahnert (52) waren auf die Party eines Produzenten in Flensburg eingeladen.

Irgendwann, es war schon spät, spielten sie mit drei anderen Musikern Seemannslieder, was dem Gastgeber so sehr gefiel, dass er sie am nächsten Tag ins Studio einlud.

„Das haben wir nicht geschafft, weil wir noch zu knülle waren“, erinnert sich Both. Zwei Tage nach der Party fand das Quintett doch den Weg ins Studio. Und nicht mal ein halbes Jahr später stand ihr Debütalbum „Bis ans Ende der Welt“ in den Top Ten der Charts. Die fünf Musiker, die bis dahin nur Kennern in Schleswig-Holstein ein Begriff waren, hängten selbst Superstar Lady Gaga ab.

Im Herbst gehen Santiano auf große Konzert-Tour, und damit ihre Band nicht vom Erfolgskurs abkommt, reisen die Meeresratten nun in Zweier-teams durch die Republik, um noch einmal ihre ungewöhnliche Geschichte zu erzählen. Alle wissen, wie das Musikgeschäft läuft. Both war bislang als Singer/Songwriter Sangit unterwegs, Fahnert hat als Filmkomponist den Soundtrack für die „Werner“-Erfolgsstreifen geschrieben.

Aber so etwas wie mit Santiano haben sie noch nie erlebt. Früher waren sie zweimal im Jahr im Fernsehen, heute haben sie jeden Tag TV-Termine. „Manchmal müssen wir uns kneifen, weil wir denken, wir träumen“, sagt Both. Dabei stand ganz am Anfang eine andere Frage. „Wir haben überlegt, wer unsere Musik eigentlich kaufen soll“, erinnert sich Fahnert.

Seemannslieder hatten es seit dem legendären Freddy Quinn hierzulande nicht mehr in die Charts geschafft. Manche meinen, Santiano machten Shanty-Musik. In Wirklichkeit spielen sie mit Geige und Mandoline traditionelle Volkslieder, die manchmal nach Irish Folk und manchmal nach Rock’n’Roll klingen. Der Boulevard nennt ihren Stil „Salzwasser-Pop“, worauf sich auch Both und Fahnert einigen können.

Echte Seemänner sind sie nicht, aber in ihren Texten bewahren sie die Seefahrer-Romantik und scheuen auch keine großen Metaphern für das Leben. „Alle Menschen sind Seefahrer“, findet Both. „Wir schippern über die Ozeane. Da gibt es manchen Sturm, so manche Flaute und auch manchen Goldschatz.“

Einen Großen haben Santiano mit „Bis ans Ende der Welt“ geborgen. Anfang August singen sie ihre Seemannslieder sogar beim legendären Heavy-Metal-Festival in Wacken. Auch Hardrocker sind Seefahrer.

Santiano live: 16. September, 19 Uhr, Stadthalle Kassel. 20. September, 20 Uhr, Rittal-Arena Wetzlar. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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