Der vom Regime bedrängte chinesische Künstler will Präsenz in Europa verstärken - Atelier in Peking bleibt

Ai Weiwei plant Teil-Umzug nach Berlin

Ai Weiwei

Berlin. Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei plant einen Teil-Umzug nach Berlin. Der „Berliner Zeitung“ sagte der Künstler, er treffe derzeit Vorbereitungen, um im Stadtteil Oberschöneweide ein Studio zu kaufen. Der deutschen Hauptstadt fühlt er sich verbunden, außerdem hat er dort künstlerische Kontakte.

Der regierungskritische Künstler ist seit Längerem Repressalien ausgesetzt und wurde zeitweise auch unter Hausarrest gestellt. Erst im Januar 2011 hatten die chinesischen Behörden ohne Vorwarnung sein Atelier in Schanghai abgerissen. Im Februar kam seine geplante erste große Ausstellung in Peking nicht zustande. „Ich bin einfach ratlos, wie ich hier weiter arbeiten kann“, sagte der 53-Jährige der Zeitung.

Als Flucht aus der Volksrepublik China will Ai Weiwei seinen Schritt jedoch nicht verstanden wissen. Sein Pekinger Studio wird nicht aufgegeben, er will aber seine Präsenz in Europa verstärken.

Große Fabrikhallen für die Kunst: Das ehemalige Kabelwerk Oberspree.

Auf dem ehemaligen AEG-Gelände, auf dem zu DDR-Zeiten das Kombinat VEB Kabelwerk Oberspree produzierte, will Ai Weiwei nun vier Hallen kaufen und insgesamt 4800 Quadratmeter beziehen. Ai bereitet den Umzug bereits seit drei Monaten vor. In der Hauptstadt ist im ostasiatischen Museum aktuell Ais Installation „Teehaus“ zu sehen, ein gepresster Quader aus drei Tonnen Pu-Erh-Tee. Ai arbeitet mit den Berliner Galeristen Alexander Ochs und Tim Neuger zusammen, mit Ochs hat er das Fabrikgelände gefunden. Nach Angaben der „Berliner Zeitung“ sind die Kaufverträge unterschriftsreif. Zum Gallery Weekend wird Ai in der Galerie Neugerriemenschneider von Tim Neuger am 29. April eine Ausstellung eröffnen.

Ai Weiwei ist der international bekannteste chinesische Künstler. Große Ausstellungserfolge feierte er bisher vor allem im Ausland, zuletzt in der renommierten Londoner Galerie Tate Modern. Dort schüttete er 100 Millionen täuschend echte Sonnenblumenkerne auf den Boden - eine gigantische Rauminstallation mit aus Porzellan gefertigten Kernen.

Die Arbeit „Sunflower Seeds“ zeigt die politische Dimension seines Kunstverständnisses. Ai ließ die Porzellanminiaturen in der Porzellanstadt Jingdezhen anfertigen. Zwei Jahre lang malten, und brannten 1600 Arbeiter die Kerne. Ein Verweis auf die Porzellantradition des Reichs der Mitte, auf die Situation von Arbeitern in China und das in dem einst kommunistisch geprägten Milliardenreich bedeutsame Verhältnis des Einzelnen zur unübersehbaren Masse.

Aufsehen erregte Ai Weiwei in Deutschland 2009 mit seiner Installation von 9000 Schulranzen in München im Haus der Kunst, die an die getöteten Kinder des Erdbebens in Sichuan erinnerten. Und mit seiner Teilnahme an der Kasseler documenta 12 im Jahr 2007, wo er 1001 Chinesen nach Kassel brachte. In Kassel wurde Ai im vergangenen Herbst für sein Engagement mit dem Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ ausgezeichnet. (dpa/fra)

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