Das Museumsquartier erlebt einen Ansturm auf die Bilder des Kasseler Künstlers Gerhard Glück

Welch ein Glück für Wien

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Kritzeleien oder Kunst: Der kleine Miró bemalt eine Mauer mit den für den erwachsenen Künstler typischen Motiven.

Wien. Die komische Kunst hatte bisher in Wien keinen festen Ort. Doch seit Anfang Dezember haben Fritz Panzer und Thomas Zauner in der Arena 21 im Museumsquartier, einem Areal, das 60 Kulturinitiativen Raum bietet, ein Zentrum für „Komische Künste“ aufgebaut.

Die Pilotausstellung steht im Zeichen des Kasseler Künstlers Gerhard Glück.

Dass mit der neuen Galerie eine Lücke geschlossen wurde, und dass die Organisatoren mit dem Meister der hintergründigen Gouache einen Glücksgriff getan haben: Beides stellte das überwältigende Publikumsinteresse bei der Vernissage unter Beweis.

Nähe zur Hochkultur

„Ein Glück für die Kunst“: Unter diesem Titel wählten Panzer und Zauner 120 Originalgemälde aus, welche die Themen Kunst, Kunstmarkt und Kunstbeflissenheit ironisch reflektieren. Eine intelligente Fokussierung, befindet sich der neue Standort der komischen Kunst doch in unmittelbarer Nähe zu Wiens Tempeln der Hochkunst, in denen viele der Werke, auf die sich Glück bezieht, hängen oder schon gezeigt wurden.

Die ältliche Kunstliebhaberin Ortrud Schweigert etwa könnte ihren Horror vor Munchs „Schrei“ im Leopoldmuseum abbekommen haben, wo der Norweger jüngst als Bebilderer des Unheimlichen ausgestellt war.

Der kleine Miró wiederum, der sein erstes Gemälde nicht vollenden kann, weil der Hausbesitzer Graffiti auf seinen Mauern mit Stockschlägen zu ahnden entschlossen ist, weist auf das Museum für moderne Kunst hin, wo der erwachsene Miró zu den Zuschauermagneten zählt; Dürer und Rembrandt, auch sie Zielscheiben von Glücks Humor, haben im Kunsthistorischen Museum ihre Bleibe.

Gerhard Glück ist ein begnadeter Stilkopist und zugleich mehr: Er stellt die Werke in neue, überraschende Zusammenhänge und schlägt elegant den Boden zur bildungsbürgerlichen Aneignung. So nennt Herr K., jene Lieblingsfigur des Malers mit den stereotypen Attributen Glatze, Nickelbrille und Knollennase, seinen verdorrten Gummibaum liebevoll „Giacometti“.

Die Ausstellung verleitet oft zum wiedererkennenden Schmunzeln, bisweilen zum lauten Gelächter ob der abenteuerlichen Querverbindungen, die Glück zieht. Und wer wissen will, warum die Mona Lisa im Louvre mit geschlossenem Mund lächelt, in dieser Ausstellung wird er belehrt: Das Gör hatte einen Überbiss...

„Ein Glück für die Kunst“, Komische Künste, Museumsquartier/Quartier 21, täglich 10-19 Uhr, donnerstags 10-21 Uhr; bis 9. Januar 2011.

Von Verena Joos

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