Keine Drehgenehmigung

Welke will ins Parlament: „heute-show“ durfte nicht im Bundestag drehen

Kassel. Die ZDF-Satiresendung „heute-show“ sorgt derzeit wieder für Furore: Anfragen des Teams, einen Beitrag im Bundestag zu drehen, waren abgelehnt worden. Dagegen protestierte Moderator Oliver Welke in der Sendung vom vergangenen Freitag.

Darauf folgte ein Beitrag mit Außenreporter Ralf Kabelka, der „die Pressefreiheit in Gefahr“ sah und vergeblich versuchte, in den Bundestag zu kommen. Außerdem kündigte Welke an, man werde das Thema in kommenden Sendungen weiter verfolgen.

Konkret hat der Bundestag der „heute-show“ zwei Drehgenehmigungen nicht erteilt. In den Begründungen verweist Pressesprecher Ernst Hebeker auf die Hausregeln des Bundestags: Es sei demnach nicht erlaubt, einen Außenreporter auf der Besuchertribüne des Bundestags zu filmen, wie die „heute-show“ es beantragt hatte. Gestattet sei im Bundestag nur politische Berichterstattung.

Die „heute-show“ habe die Plenarsitzung aber als Kulisse für eine satirische Inszenierung nutzen wollen. Eine zweite Anfrage der „heute-show“ wurde ebenfalls aus formalen Gründen abgelehnt: Die Satiriker wollten in der Lobby des Bundestags Politiker zur Regierungsbefragung im Parlament interviewen. An einem Donnerstag – obwohl diese mittwochs stattfindet.

Am Freitag auf Sendung:

ZDF, 22.30 Uhr

Die Fans stehen hinter der Sendung: Auf Welkes Aufforderung hin sind bereits über 600 Protest-Mails bei Hebeker eingegangen. Eine Online-Petition zu diesem Thema hatte gestern 4051 Unterstützer. In der Begründung zur Petition heißt es, das Drehverbot sei „schädlich für die Pressefreiheit in Deutschland“.

Kritik kommt vom DJV

Ein anonymer Kritiker der Aktion wirft auf der Homepage der Online-Petition dagegen ein: „Was für ein Blödsinn. Die ,heute-show‘ hat überhaupt kein Drehverbot. Die Ablehnung gab es für diesen einen Termin. Wenn die die Parlamentsarbeit filmen wollen, können die das doch wieder beantragen.“

Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat sich zu dem Vorfall geäußert. Die Entscheidung des Bundestags sei nicht nachvollziehbar, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken: „Berichterstattung muss möglich sein, auch wenn sie satirisch ist.“

Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte sich bereits Ende 2013 kritisch über die „heute-show“ geäußert. Er sehe sie als Beleg für die Tendenz, dass das Fernsehen nicht nur kritisch mit Politikern umgehe, sondern auch Menschen persönlich niedermache.

Auch wenn sich Welke und Co. nicht immer Freunde machen: Preise heimsten sie schon viele ein. So gab es fünfmal den Deutschen Comedypreis und je einmal den Adolf-Grimme-Preis und den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Mit dem Deutschen Fernsehpreis wurde die Sendung zweimal geehrt, zuletzt im Oktober.

Von Marc Hörcher

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