Get well soon: Phänomenales Konzert im Kasseler Kulturzelt

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Bruder und Schwester: Konstantin und Verena Gropper von Get well soon bei ihrem Kasseler Auftritt.

Kassel. Es muss für Konstantin Gropper anstrengend sein, live zu spielen. Nach jedem Song seiner Band Get well soon am Samstagabend im Kasseler Kulturzelt wuchtete er sein Instrument über die Schulter – ein ganzes Gitarren-Set hatte er dabei.

Sowieso kam der 30-Jährige mächtig ins Schwitzen, weil seine ausgetüftelten, verspielten Titel oft mit enormen Tempoverschärfungen einhergingen: Immer noch ein Zacken mehr. Das Jackett seines adretten Anzugs zog Gropper jedenfalls bald aus.

Der in Oberschwaben aufgewachsene Multiinstrumentalist, Absolvent der Mannheimer Popakademie, der seit der Debüt-CD „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ (2008) für den Reichtum seiner kreativen Ideen gefeiert wird, ist in der Band nicht der Einzige mit breitem Spektrum. Schwester Verena, als klassisch ausgebildete Sopranistin spezialisiert auf Alte Musik, singt sonst mit Ton Koopmans „Amsterdam Baroque“ oder der Rheinischen Kantorei und hat schon eine Bach-Kantaten-CD zu Luther-Chorälen eingespielt.

Nun steuert sie opulenten Gesang bei, als sei sie auf dem benachbarten HNA-Open-Air auf der Karlswiese, greift zur Geige, schlägt die Trommel, spielt Keyboard, bläst in die Melodika und nutzt ein Arsenal Orff’scher Instrumente, als ginge es um musikalische Früherziehung.

So ähnlich bei Maximilian Schenkel, der Gitarre, Trompete, Vibrafon und eine satte Posaune spielt, Timo Kumpf (Bass), Marcus Wüst (Keyboard) und Paul Kenny, der mit seinem Schlagzeug seitlich am Bühnenrand sitzt. Jeder wuselt mal über die Bühne, um das Vibrafon zu bedienen, singt, klatscht rhythmisch mit. Gropper setzt einen Plattenspieler in Gang, und irgendwann, da geht es richtig zur Sache, haut auch er auf eine Trommel: „Jetzt probieren wir’s noch mal mit Tanzen.“ Immer aber, ob Gitarren jaulen oder das Glockenspiel erklingt, ist es der charakteristische, orchestral-melancholische, intellektuelle Get-well-soon-Breitbandsound.

Bei einem Festival in Tirol seien sie jüngst mit Bier übergossen worden, erzählte Gropper. Das musste die Band im Kulturzelt, wo sie zum zweiten Mal zu Gast war, natürlich nicht befürchten. Im Zuschauerrund waren zwar verblüffend viele Plätze frei geblieben. Doch mitten im Konzert schon war der Beifall der an die 500 Besucher so groß, dass der wortkarge Gropper richtig verlegen wurde: „Aber wir waren doch noch gar nicht fertig.“

Von Mark-Christian von Busse

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