Die Fotografin Rita Ostrowskaya zeigt Meisterwerke in ihrem Atelier „KunstVision“

Welt aneignen mit der Kamera

Seit sie 15 ist, hat sie die Kamera nie losgelassen: Rita Ostrowskaya in ihrem Atelier. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Ihre erste Kamera, einen kleinen sowjetischen Fotoapparat, hielt sie in den Händen, als sie 15 Jahre alt war. Rita Ostrowskaya lebte in Kiew, war Tochter einer jüdischen Familie. Seitdem hat sie die Kamera nicht mehr losgelassen, „Es ist“, wie sie heute, 59-jährig, sagt, „meine visuelle Sprache, mit der ich mit der Welt spreche.“

Rita Ostrowskaya, die Jüdin aus der Ukraine, lebt seit 2001 in Kassel, seit vergangenem Jahr unterhält sie ein eigenes Studio „KunstVision“ in der Hartwigstraße. Hier stellt sie zurzeit die Fotografien ihres Lebens aus, das Leben in der Ukraine vor jenem Tag, der in die Weltgeschichte als „Nine Eleven“ und großes Trauma eingegangen ist. Denn in der Nacht vom 11. September 2001 ist sie mit ihrer Familie nach Kassel gefahren.

Die Fotokünstlerin arbeitet in Serien und benutzt keine moderne Technik. Alles ist traditionell mit Schwarz-Weiß-Filmen und einer professionellen 6x6-Kamera aufgenommen. Oft arbeitet sie mit einer langen Belichtungszeit. Zuweilen gibt sie im Fotolabor sepia oder blaue Toner-Töne hinzu. In ihrer Fotoserie „Atem des Lebens“ sind der Wind in den Bäumen, das fließende Wasser und die Kraft des Meeres ihr Motiv, dabei gelingen der Fotografin fast abstrakt anmutende Momente sich verdichtender Naturkräfte von großer Poesie.

In den Fotografien ihres Lebens, Meisterwerke an Komposition und Licht-Schatten-Tönen, verleiht diese Ausnahmefotografin aber auch den alltäglichen Dingen des Lebens Größe: Einfache Schalen, ein Teller mit zwei Fischen oder ein Stuhl in einem halbdunklen Zimmer stehen da ebenso für ihre Kunst wie ihre Menschenbilder. Vorbeieilende Passanten, alte Menschen in ihrem Wohnzimmer, lachende Kinder. Viele ihrer Fotografien erinnern an den großen Fotokünstler Georges Brassai.

Die Mächte des Lebens, das alltägliche Leben in der Ukraine und schließlich das Trauma der Emigration: Die Fotografin fängt sich da selbst mit einer langen Belichtungszeit ein, ihr Porträt wirkt so wie durchscheinend in einem Übergangslager in der Kasseler Sickingenstraße.

Rita Ostrows-kayas Retrospektive, beiläufig und unspektakulär an den Wänden und Holztischen in ihrem Atelier in der Hartwigstraße ausgestellt, ist auch eine Entdeckung in diesem documenta-Sommer.

Atelier „KunstVision“, Hartwigstraße 8, bis 17. Oktober, Do 17-18.30 Uhr, So 14 -17 Uhr und nach Vereinbarung: Tel. 01577/2028735.

Von Juliane Sattler

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