Ausstellung „Magnums First“ zeigt im Arolser Schloss Anfänge der Fotoagentur Magnum

Feine Lady mit Kippe: Inge Morath, „Vor Lloyd’s Bank“, London, 1953 Foto:  Inge Morath / Magnum Photos / Focus

Bad Arolsen. Vom Journalismus in die Kunst war es für die Fotografie ein weiter Weg. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hatte es das neue Bildmedium nicht leicht, in die Liga der etablierten Kunstformen aufgenommen zu werden.

Wie die Fotografen der renommierten Agentur Magnum diesen Weg beschritten, zeigt ab heute eine Ausstellung im Schloss in Bad Arolsen, die genau diese Übergangszeit ins Bild setzt. Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel und Udo Reuter, Vorsitzender des Museumsvereins, haben die Ausstellung „Magnums First - Gesicht der Zeit“ ins Waldecker Land geholt. Damit hatten sich Magnum-Fotografen erstmals in einer Gruppenschau museal präsentiert. Die Schau lief 1956 in fünf österreichischen Städten, etwa in Graz im Johanneum, wie das Original-Ausstellungsplakat zeigt. „Geheizt“ heißt es da extra als Hinweis zum Ausstellungsort. Man zeigte (einst wie heute) Arbeiten von acht Fotografen. Jeder präsentierte eine mehrteilige Reportage oder wenige Einzelbilder.

Das Erstaunliche: „Die Ausstellung ist 50 Jahre lang vergessen worden“, sagt Birgit Kümmel. Sie lagerte in zwei flachen (ebenfalls ausgestellten) Kisten auf einem Innsbrucker Dachboden, bis sie 2007 wiederentdeckt wurde. Die 83 Originalabzüge werden präsentiert wie damals - aufgezogen auf Hartfaserplatten mit unterschiedlichen Hintergrundfarben.

Jeder Raum im Schloss stellt einen Fotoreporter vor. Inge Morath ist im schicken London unterwegs, ihre Kamera fängt Momentaufnahmen der Oberschicht ein, die so treffsicher fotografiert sind, dass sie die inszenierte Noblesse brüchig werden lassen - wie bei der Dame mit Pelzkragen und Schoßhündchen, der eine Zigarette auf Halbmast zwischen den Lippen klemmt. Nicht sehr ladylike.

Werner Bischof brachte Exotik nach Europa: Sein flötespielender peruanischer Bauernjunge mit den Flechtsandalen öffnete der 50er-Jahre-Nachkriegsgesellschaft den Blick in die Welt, ebenso wie bei Robert Capa, der hier nicht mit seinen berühmten Kriegsbildern, sondern mit Impressionen aus einem baskischen Dorf vertreten ist. Ein Mädchen führt dem Betrachter offenbar einen Tanz auf, Dorfbewohner beobachten sie auf einem Mäuerchen sitzend. Bilder voll Frieden unter weitem Himmel.

Trotz der wenigen Exponate fallen die unterschiedlichen Stile der Fotografien auf: Wie wird Licht und Schatten inszeniert, wo herrschen Grauschattierungen vor. Erich Lessing zeigt Alltagsidyllen aus Österreich, etwa die bemützten Kinder, die mit Sandeimerchen auf dem Kies vor dem Wiener Belvedere spielen und den Defilierweg kurzerhand zum Spielplatz machen. Marc Riboud ist im Hinterland in Titos Jugoslawien unterwegs und zeigt zerfurchte, ernste Gesichter jenseits von Bauernkitsch.

Zu den beeindruckendsten Bildern gehört eine Fotoserie von Henri Cartier-Bresson, die 1948 im Magazin „Life“ erschienen ist. Cartier-Bresson fotografierte Mahatma Gandhi in seinen letzten Lebenstagen - und seine Anhänger unmittelbar nach der Ermordung. Die Erschütterung der Menschen, die sich direkt nach dem Tod der geliebten Lichtgestalt versammeln, ist förmlich im Raum zu greifen, spiegelt sich in Gesichtern und Körperhaltungen.

Bis 12. Dezember im Schloss Bad Arolsen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Führungen: Sonntag, 11.15 Uhr. Ein Video zur Ausstellung sehen Sie unter www.hna.de/video

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