Die Galerie Puri präsentiert Kunstwerke des großen Schauspielers Armin Mueller-Stahl

Die Welt eines Multitalents

„Selbst als Thomas Mann“: Die Farbradierung und Aquatinta des Schauspielers in seiner Paraderolle gibt es in 200 nummerierten, signierten Exemplaren (680 Euro).

Kassel. „Andere gehen zum Therapeuten, ich zeichne mir die Knoten von der Seele“, so hat Armin Mueller-Stahl vor vielen Jahren seine Leidenschaft für die Kunst begründet. Es war eine Überraschung, als der Schauspieler - der einzige, der es in der DDR, in der Bundesrepublik sowie in Hollywood zu Ruhm brachte - vor gut zehn Jahren plötzlich Gemälde, Lithografien und Zeichnungen präsentierte.

Viele Hundert Bildwerke sind seither entstanden, die Schauspielerei hat der 81-Jährige inzwischen aufgegeben. Malerei und Musik hätten sicher sein Leben dominiert, meint der aus einer musischen ostpreußischen Familie stammende Mime, wenn nicht das Schauspielern die schnellste Methode gewesen wäre, „Brötchen auf den Tisch zu kriegen, die Familie zu ernähren“.

Nun werden über 100 Blätter in Kassel gezeigt. „Fast alles, was es von Mueller-Stahl zurzeit auf dem Markt gibt“, sagt Galerist Stephan Löber: Erstaunlich günstige Drucke im Giclée-Print-Verfahren, also eingescannte, ausgedruckte, signierte und limitierte Bilder für 280 Euro, aber auch Unikate für knapp 5000 Euro.

In der Galerie Puri kann man sich in die Welt des Multitalents vertiefen. Da gibt es Übermalungen des „Buddenbrooks“-Drehbuchs mit üppiger Farbigkeit, Szenen aus dem „Urfaust“, Porträts der Beatles und von Joseph Beuys bis hin zu berückenden norddeutschen Landschaften, bei denen der bei Lübeck lebende Mueller-Stahl fast in der Abstraktion anlangt. Die Musik spielt für den am Berliner Konservatorium ausgebildeten Musiklehrer und Geiger eine große Rolle - in einem Spektrum von Mendelssohn bis zu Joe Cocker.

Galerist Löber überzeugt, dass Mueller-Stahl stets die Züge des Porträtierten treffe. Der Darsteller begnüge sich auch nicht mit der Aquarell-Technik, sondern kenne sich mit Druckverfahren bestens aus. Er stellt in renommierten Häusern aus, zurzeit etwa im Kunstmuseum Solingen. Ein Blender ist der Künstler, der auch Romane geschrieben und gesungen hat und als Berufsbezeichnung „Gaukler“ schätzt, ganz gewiss nicht.

Mueller-Stahl sagt, im Atelier könne er „fliegen“, hier störe ihn kein Kameramann, kein Regisseur, kein Autor. In seinen Zeichnungen jedoch setzt er genau das um, was er in seiner Schauspielkunst eingeübt hat: Das genaue Beobachten von Menschen, ihren Haltungen, Blicken - die Darstellung eines Charakters.

Bis 16.11., Galerie Puri, Rolandstr. 3., Mo - Fr 9-18, Sa 10-14 Uhr, 1. So im Monat 13-17 Uhr. Fotos:  nh

Von Mark-Christian von Busse

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