Das Staatsballett St. Petersburg zeigte im Opernhaus den Klassiker „Schwanensee“

Der Welt entrückt

Mit Sprungkraft: Alexander Woytin als Prinz Siegfried im Opernhaus. Foto: Schachtschneider

Kassel. In die fantastische Welt des klassischen Balletts entführte das Staatsballett St. Petersburg am Samstag im ausverkauften Opernhaus. Getanzt wurde die bis heute maßgebliche zweite Fassung von „Schwanensee“, eine Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanow, die 1895 am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg uraufgeführt wurde.

Primaballerina Anna Woytina zeigte das verzauberte Schwanenmädchen Odette als traurige Figur, voll zerbrechlicher Zartheit, ganz von der Welt entrückt. Als ihr kraftvoller, sprungstarker Partner war Alexander Woytin als leichtlebiger Prinz Siegfried zu sehen, der erst ihr und dann ihrer dunklen Seite, dem schwarzen Schwan Odile, ewige Liebe verspricht und Odette fast in den Tod stürzt. Die Doppelrolle des weißen und schwarzen Schwanenmädchen zählt zu einer der anspruchsvollsten des Balletts. In dieser Inszenierung teilte sie sich Anna Woytina mit Natalia Potechina.

Herrlich altmodisch wirkten die mitgebrachten Bühnenbilder. Aus je drei bemalten Leinwänden entstand eine Lichtung am See mit Schlossblick bei Tag und in der Dämmerung sowie ein farbenprächtiger Ballsaal. Wenn allerdings Plastikschwäne über den See im Hintergrund gezogen werden, entwickelt das Illusionstheater eine gewisse Komik. Auch eine gedämpftere Lichtgebung hätte den Zauber verstärken können. Die wunderbare Musik von Peter Tschaikowsky mit dem typischen, zum Auftritt der Schwäne wiederkehrenden Motiv wurde zudem nur über Tonband übertragen.

In den Nebenrollen spielte sich Artur Martirosyan als Hofnarr hervor. Mit pantomimischem Talent füllte er seine Rolle mit Leben, trat mit dem Publikum in Kontakt und beeindruckte, wie Natalia Potechina, mit vielfach aneinandergereihten Pirouetten (Fouettés). Für seine traditionelle, von fast 30 Tänzern brillant ausgeführte Inszenierung wählte Alexander Bruskin ein glückliches Ende: Prinz Siegfried tötet Zauberer Rotbart (Wladimir Isnow), der als schwarzer Schwan vor Schmerzen gekrümmt stirbt.

Von Valerie Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.