Autor Ulrich Holbein gibt einen verwirrenden Einblick in sein neues Werk

Die Welt erklärt in 90 Minuten

Ruht in sich selbst: Autor Ulrich Holbein las vor 70 Zuhörern. Foto: Schneider

Kassel. Die Weltgeschichte auf 1000 Buchseiten darstellen. Das möchte der im Knüll lebende Autor Ulrich Holbein (59) in seinem neuen Projekt. Vom Urknall bis zum Ende des Universums. Wer Holbein nicht kennt, fragt sich: Geht’s auch eine Nummer kleiner?

Nicht bei Holbein. Denn die Weltchronik ist nur eins von zahlreichen Projekten, an denen er derzeit arbeitet. 17 stehen auf seiner To-do-Liste. Vor etwa 70 Zuhörern gab er auf dem Schiff MS Import/Export an der Schlagd einen Einblick in sein Schaffen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Uni Kassel und dem Literaturbüro Nordhessen. Zu Beginn seines etwa eineinhalb-stündigen Vortrags ging Holbein auf sein Leben ein. Ganz klassisch: Mit einer Diashow, die mal amüsant, mal vulgär, meistens aber belanglos war. Ein wenig abgedreht wurde es, als Holbein seinen eigenen Tod und seine Beerdigung zeigte. Aber ganz so recht wollte der Funke nicht überspringen. Vereinzelt gab es Lacher im Publikum. In einer Pause merkte ein Zuschauer an, dass Deutschland eine Humorwüste sei. Angesichts von Trivial-Komödianten wie Mario Barth oder Atze Schröder eine korrekte Einordnung. Allerdings war der Humor Holbeins auch nicht wirklich ansprechend. Irgendwie fehlte die rote Linie, das Thema.

Im zweiten Teil wies Holbein auf ein weiteres Projekt hin: den Liebesroman „Traumpaar ohne Notbremse“. Hier jonglierte er gekonnt mit Satzstücken – verwirrend blieb es dennoch. Den Schlussteil nahm seine Weltchronik ein. Holbein, dieses Jahr Träger des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor, gab einen Einblick, wie er sich die Zukunft der Menschheit vorstellt: Autos gibt es nicht mehr, der Beruf des Gerbers kehrt zurück, die Chinesen werden die Menschheit überleben. Was ist nun mehr gaga? Die Theorie des Autors oder die Frage aus dem Publikum: „Gibt es ein neues China in der neuen Zivilisation?“ Da wusste Holbein auch nicht so recht, was er antworten sollte.

Nur eins hob er hervor: Der Schriftsteller Raoul Schrott arbeitet ebenfalls an einer Weltchronik. Der Ehrgeiz hat Holbein gepackt. Er muss vor der Schrott-Chronik fertig sein.

Von Daniel Schneider

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