HipHop-Legenden Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad begeisterten die Fans

Welt-Kassel: Rap und fette Bässe bei den Beginnern in der Stadthalle

+
Gut gelaunt: Die Beginner (links) Jan Philipp Eißfeldt (alias Jan Delay) und Dennis Lisk (alias Denyo). Im Hintergrund die Sängerinnen (links) Yasmin Knoch und N’gone Thiam. 

Kassel. Rapper verstehen sich auf Wortspiele. Und wenn eine Stadt Kassel heißt, dann drehen Sprechgesang-Künstler wie die Beginner so richtig auf.

Was dabei herauskommt? „Große Kassel“, „Welt-Kassel“ oder „Krasses in Kassel“. Nur ein paar der Wortgeschöpfe, die Jan Philipp Eißfeldt und Dennis Lisk am Sonntagabend in der Stadthalle einfallen.

Ja, sie tragen Namen, die klingen, wie die vieler Schmusepop-Liedermacher dieser Tage. Doch stecken dahinter keine Jungs mit Gitarre, sondern HipHopper, die nicht nur von Rap und fetten Bässen singen, sondern genau das auch liefern – mit eigens angekarrten, vor der Bühne aufgebauten großen Boxen. Die sorgen dafür, dass die Bässe ordentlich drücken. Es ist laut. Richtig laut. Genau das und die perfekte, (fast) schon so glattgebügelte Show wie die feine, leicht glänzende Hose von Dennis Lisk, den man besser als Denyo kennt, kommt an. Mit ihm auf der Bühne Eißfeldt, der sich mit Goldkettchen, Glitzer-Monitorkopfhörern und Sonnenbrille in Eizi Eiz verwandelt (wenn er Anzüge trägt, ist er Jan Delay) und Guido Weiß (alias DJ Mad).

Gemeinsam nahmen sie 1998 als Absolute Beginner ihr legendäres Album „Bambule“ auf. Letztes Jahr erschien „Advanced Chemistry“, das innerhalb von elf Tagen Goldstatus erreichte. Gewidmet ist der Albumtitel der Heidelberger Gruppe um MC Torch. Sie war Anfang der 90er die Erste, die auf Deutsch politische Texte rappte. „Fremd im eigenen Land“ ist einer ihrer Songs. Einer, der so alt ist wie die Beginner, die Band gibt es seit 25 Jahren. Und einer, der heute wieder aktuell ist. Ihn haben die Beginner im Programm. Angestimmt von MC Torch als Überraschungsgast und Rapper Afrob, der bereits zuvor für Stimmung in der ausverkauften Halle sorgte: „Nicht anerkannt, fremd im eigenen Land. Kein Ausländer und doch kein Fremder.“ Trotz der ernsten Botschaft bleibt es ein fröhlicher Abend.

Es ist ein Konzert für Nostalgiker, für die HipHop-Szene und für Teenager. Irgendwie für alle quer durch die Generationen, denn es gibt sie, die Songs von früher („Liebeslied“, „Das Boot“, „Füchse“) und heute („Ahnma“, „Es war einmal“). Und DJ Mad dürfte sich phasenweise hoch oben auf seiner DJ-Pyramide wie ein Musik-Messias gefühlt haben – immer dann, wenn die Masse die Arme im Takt seiner Beats in Richtung Bühne hoch und runter schwingt. Wie zur fröhlichen HipHop-Preisung.

Die Reime und Wortspiele der Beginner sind anders als bei vielen Rappern. Nicht dreckig, nicht respektlos. So: „Wenn die Mundwinkel hochgehen, ist die Welt wieder so schön.“ Zwischendurch mal ein „Digga“ und ein „Derbe“.

Als sie den Nena-Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ anstimmen, ist die Grenze zwischen HipHop und Schlager fließend. Aber das stört nicht. Im Gegenteil. Vom ersten Ton an eine lachende, ausgelassene und hüpfende Masse Mensch. Sie kennt jede Zeile und jeden Reim auswendig, singt mit. Da wären sogar die Fischer-Chöre neidisch. Welt-Kassel!

Die "Beginner" sorgten für gute Stimmung in der Kasseler Stadthalle

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.