Der Welt den Stinkefinger zeigen: Die Berliner Band Grossstadtgeflüster im Club 130bpm

Voller Energie: Sängerin Jen Bender. Foto: Fischer

Kassel. Für die Berliner Band Grossstadtgeflüster war es ein besonderer Tag. Auf dem Programm stand der Tourauftakt in „K(r)assel“, wie ihre Facebook-Seite launig ankündigte. Krass wurde denn auch das Konzert am Mittwoch im Club 130bpm, ehemals Musiktheater, in der Angersbachstraße: Bei Superstimmung unter den 300 Fans gab’s den Beweis, wie viel Spaß ein „Urlaub in den Misanthropen“ machen kann.

Urlaub in den Misanthropen? So geht eine denkwürdige Zeile der Band, die mit ihren ebenso witzigen wie expliziten Texten der Welt immer wieder den Stinkefinger zeigt. Selten hat jemand die Flucht aus einem öden Leben so charmant schnodderig besungen wie Grossstadtgeflüster mit ihrem Hit „Fickt-Euch-Allee“.

Überhaupt das F-Wort. Ein anderer Song berichtet von einem betrüblichen Umstand: „Keiner fickt mich außer das Leben, aber das dafür so richtig.“ Doch solche Lyrik verleitet die Band ganz und gar nicht zu müdem Pessimismus, vielmehr macht sie daraus vor Vitalität strotzende Ohrwürmer. Elektro-Pop, HipHop und Berliner Rotzigkeit ergeben einen Mix, der auch im 130bpm richtig abgeht.

Frontfrau Jen Bender ist wunderbar in ihrer rauen Energie, eine tolle Antipodin aalglatter Pop-Artisten. Schlagzeuger Chriz Falk treibt die Musik nach vorn, und Keyboarder Raphael Schalz freut sich beim Kasseler Konzert noch aus einem anderen Grund: „Alter, ich hab Geburtstag.“

Das Publikum feiert mit den Musikern, tanzt und hüpft, wirft die Arme in die Höhe, zückt Feuerzeuge, stößt Luftballons nach oben, singt die herben Gute-Laune-Lieder mit. Große Begeisterung für einen auf seine Weise fulminanten 105-Minuten-Auftritt.

Mit dabei: Fullax

Als Vorgruppe spielte das Kasseler Trio Fullax um Sänger Julian Giese. Im Gepäck hatte es sphärischen Indie mit elektronischen Einflüssen. Das war zwar nicht so krass wie bei den Berliner Stimmungskanonen, aber überzeugend professionell.

Von Georg Pepl

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