Interview: Angelina Jolie über ihr Regiedebüt, den Balkankriegs-Film „In The Land of Blood and Honey“

„Welt ein wenig besser machen“

Authentische Atmosphäre: Angelina Jolie bei den Dreharbeiten im Gespräch mit Darstellern ihres Films. Foto:  dpa

Sie taucht regelmäßig in den Listen der schönsten Frauen der Welt auf und ziert die Titelblätter der Glamour-Hefte. Schauspiel-Superstar Angelina Jolie hat sich nun einem ernsten Thema zugewendet. Mit dem Balkankriegs-Film „In The Land of Blood and Honey“ präsentiert die 36-Jährige ihr Regiedebüt.

Auch wenn Sie eine Armada von Babysittern haben, sind Sie doch eine Mutter von sechs Kindern - wie schafft man es, da einen Film zu drehen?

Angelina Jolie: Brad ist ein großartiger Vater, während meiner Dreharbeiten hat er eine Arbeitspause eingelegt, um sich voll und ganz um die Kinder zu kümmern. Zudem bin ich überzeugt, dass es sehr viele weitaus anstrengendere Jobs auf dieser Welt gibt als meine Regiearbeit.

Für Ihr Regiedebüt hätten Sie sich gewiss einen leichteren Stoff aussuchen können. Was hat Sie am Thema Bosnienkrieg so fasziniert?

Jolie: Ich hatte nie die Absicht, selbst Regie zu führen oder ein Drehbuch zu schreiben. Auf Bosnien kam ich, weil ich seit mehr als zehn Jahren in diese Krisengebiete gereist bin und enttäuscht war, dass hier niemand eingriff. Mich hat interessiert, was in Menschen vorgeht, die in solchen Situationen leben müssen. Wie können aus guten Nachbarn Feinde werden?

Wie haben Sie sich dem komplizierten Thema genähert?

Jolie: Dieser Konflikt ist wirklich kompliziert und schwierig zu verstehen. Also bin ich nach Bosnien gereist, um direkt mit Kriegsopfern zu sprechen. Diese Gespräche haben mich enorm erschüttert, vieles davon ist in den Film eingeflossen. Bei der Suche nach Schauspielern hatte ich mit Ablehnung gerechnet. Doch alle waren interessiert, jeder brachte seine ganz eigenen Erfahrungen mit ein.

Ist eine Liebesgeschichte der beste Weg, um vom Krieg zu erzählen?

Jolie: Für mich ist es vielmehr die Geschichte einer nicht mehr möglichen Liebe. Das ist durchaus symbolisch zu verstehen, denn vor dem Krieg gab es in Sarajewo einen ganz großen Anteil von Mischehen verschiedener Religionen und Nationalitäten. Neben einem Paar im Zentrum der Geschichte gibt es die Vater-Sohn-Beziehung, das Verhältnis der Schwestern und der Freunde: Es ist also ein Spiegel der Gesellschaft.

Wer hat für Sie die Schuld an diesem Konflikt?

Jolie: Schuld hat vor allem die internationale Gemeinschaft, die so lange nicht eingegriffen hat. Durch dieses Zögern ist die Gewalt immer größer geworden.

Sie haben den Film auf Bosnisch und auch auf Englisch gedreht - warum?

Jolie: Mir sind Filme in der Originalfassung lieber, weil ich den Klang der Sprachen hören möchte. Die zweite Fassung auf Englisch haben wir gedreht, weil wir so viele Zuschauer wie möglich erreichen möchten.

Brad Pitt ist auch als Produzent tätig, wie groß war seine Unterstützung für Ihr Projekt?

Jolie: Wir haben gar nicht viel über den Film gesprochen, ich wollte lieber alles für mich allein herausfinden. Aber er war immer da und hat mich moralisch unterstützt.

Würden Sie sich nochmals in so ein Abenteuer stürzen?

Jolie: Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen. Aber es gibt für mich keinen Zwang, weitere Filme zu drehen. Es sei denn, eine Geschichte ist so einzigartig, dass ich ihr nicht widerstehen kann.

Hätten Sie Ambitionen, in die Politik zu wechseln?

Jolie: Ich glaube nicht, dass ich eine gute Politikerin wäre. Dazu kann ich mich zu wenig an eine bestimmte Linie halten, was Politiker offensichtlich können müssen. Aber ich kann ja auch ohne diesen Status versuchen, die Dinge auf der Welt ein wenig besser zu machen.

Von Dieter Osswald

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