Weltoffen bis zum Finale: Ursel Schlichts „Sonic Exchange“

Großes Finale nach einem abwechslungsreichen Musik-Sommer: Ursel Schlicht (Piano, von links), Bettina Helmrich (Tanz, am Boden), Angela Dersee (Geige), Salamat Schiftah (Rubab, Gesang) und Klaus Kugel (Schlagzeug). Foto: Malmus

Kassel. Klassiker wie Lessing zu lesen, ist bereichernd, kann einem aber auch Missverständnisse einbrocken. Zum Beispiel wenn man eine junge Dame in Bayern zu deren Erstaunen mit der Lessingschen Wendung „Frauenzimmerchen“ anspricht.

So tat es vor vielen Jahren der aus Afghanistan stammende Musiker Salamat Schiftah, als er Deutsch noch nicht so perfekt beherrschte wie heute.

Es war eine reizende Anekdote, die Salamat Schiftah am Freitag im gut gefüllten Kulturhaus Dock 4 erzählte. Abschied nehmen hieß es am Wochenende von Ursel Schlichts Projekt „Sonic Exchange“. Die Jazzpianistin und Komponistin hat während des documenta-Sommers internationale Musiker nach Kassel gebracht. Vielschichtig ging es auch beim letzten Konzert im Dock 4 zu - mit experimentellen, freien, jazzigen und folkoristischen Tönen.

Duo mit Posaunist Landeck

In wechselnden Kombinationen traten 13 Musiker auf, ein weiterer Gast war die Tänzerin Bettina Helmrich. Ausgezeichnet in der Interaktion kam das Duo von Schlicht und dem Posaunisten Detlef Landeck daher - von umtriebigen, getupften Texturen bis zu dunklen Klavierakkorden.

Ein anderes eindrucksvolles Duo war das der Flötisten Robert Dick und Ulrike Lentz. Eine geistreich-skurrile Komposition mit dem Titel „Dringende Angelegenheit“ kam von dem Saxofonisten Thomas Tkacz. Ausgefallene Instrumente waren ebenfalls mit von der Partie, so die Kontrabassklarinette von Ove Volquartz. Und für den Groove sorgten die Schlagzeuger Klaus Kugel und Robert Pfaff.

Vereint wurden Free Jazz und Weltmusik in einem Stück, das an die von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan erinnerte. Da tobte die volle Besetzung, während Helmrich mit schreckstarrem Blick nach hinten wandelte. Verdienter Beifall für ein weltoffenes Projekt.

Von Georg Pepl

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