Susan und Sarah Wang begeisterten

Weltreise an zwei Klavieren in Niestetal

Nichts Überflüssiges in dieser Musik: Die Zwillingsschwestern Sarah (links) und Susan Wang gastierten am Montag beim Klavierfestival in Sandershausen. Foto: Zgoll

Niestetal. Eine Flut an Tönen rauschte, wogte und tanzte am vorletzten Abend des Niestetaler Klavierfestivals  in die Ohren des Publikums, das den jungen Meisterinnen begeistert zuhörte. Das Klavierduo Susan und Sarah Wang präsentierte eine reizvolle Auswahl an Musik für zwei Klaviere.

Die taiwanesisch-amerikanischen Zwillingsschwestern, die in Rostock und Berlin lehren, wurden 2010 mit einem Preis beim ARD-Wettbewerb ausgezeichnet. Ihr brillantes Zusammenspiel war schon mehrmals in Niestetal-Sandershausen zu erleben, etwa vor zwei Jahren, als sie Liszts Opernfantasie „Réminiscences de Don Juan“ spielten.

Diesmal eroberten Sarah und Susan Wang anmutig-virtuos mehrere Länder. Sie luden im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus zu einer musikalischen Weltreise ein. Und die war so klangreich wie beschwingt.

Den Auftakt machte ein russischer Komponist, der als hauptberuflicher Chemiker sein kleines, aber bedeutendes musikalisches Werk in der Freizeit geschaffen hatte: Alexander Borodin (1833-1887). Seine „Polowetzer Tänze“, in der Fassung für zwei Klaviere von Victor Babin, bezauberten mit östlichem Kolorit, schwebend melodisch, rhythmisch funkelnd.

Danach ging es zur US-Komponistin Amy Beach (1867-1944). In ihrer Suite op. 104 sind irische Melodien in ein prunkendes Klanggewand gehüllt. Im Finale gibt es sogar eine Fuge, die jedoch nicht hält, was sie kompositorisch verspricht.

Umso faszinierender der Vergleich mit dem Argentinier Astor Piazzolla, zu dem die Zwillinge nach den „Danses Andalouses“ von Manuel Infante gelangten. Denn Piazzollas Tangos sind nicht nur populär, sondern auch genial in ihrer kontrapunktischen Kunstfertigkeit.

„Fuga y misterio“, „Soledad“ und „La Muerte del Angel“, arrangiert von Pablo Ziegler, bildeten den Höhepunkt des Abends. Nichts Überflüssiges, aufgebauscht Schmückendes war in dieser Musik. Susan und Sarah Wang spielten sie mit federnder Präzision, verstanden es aber auch, ihre Melancholie zum Klingen zu bringen. Nach tosendem Beifall verabschiedeten sie sich mit Piazzollas „Libertango“.

Von Georg Pepl

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